Glossar der Fachausdrücke bei französischen Dispositionen
- Abstrakten: dünne Verbindungsleisten oder -drähte bei mechanischen Spiel- und Registertrakturen
- Accouplement: Koppel = Manualkoppel: Register, die einem bestimmten Werk zugeordnet sind (z.B. dem Positif), können durch eine Koppel auch von einem anderen Manual aus gespielt werden (z.B. von der GO aus). So kann man auf einem einzigen Manual die Klangfarben der angekoppelten Manuale hinzu „addieren“ und die Register eines Manuals erklingen lassen, während man auf einem anderen spielt. Manualkoppeln sind seit dem 17. Jahrhundert üblich (Pos an GO). Im Französischen unterscheidet man zwischen Manualkoppel = Accouplement und Pedalkoppel = Tirasse.
- Aliquoten, Mutations simples: Register, die nicht den „Haupt“-ton (8‘) oder die Oktavierung (16‘ oder 4‘, 2‘, 1‘) der angeschlagenen Taste wiedergeben, sondern es erklingt die Terz, Quinte, Septime (z.B. bei Tierce 13/5‘, Nasard 22/3‘, Septième 11/7‘ etc.)
- Alternatim-Praxis: abwechselndes Musizieren von Chor (einstimmig) und Orgel; fast alle Teile einer Vesper oder Messe konnten so ausgeführt werden. Orgelmessen waren in Paris bis ins 20. Jahrhundert hinein üblich.
- Anches, Zungenregister: Bei diesen Registern wird der Ton durch ein im Pfeifenfuß schwingendes Metallplättchen, die Zunge, erzeugt. Das Rohr dient als Resonanzkörper. Im frz. Orgelbau nehmen Zungenregister einen wesentlich höheren Stellenwert ein als bei deutschen Orgeln. Bombarde (Posaune), Trompette, Clairon (hohe Trompete), Basson (Fagott), Voix humaine (Vox humana) und Hautbois (Oboe) in Manualen und Pedal gehören zur „Grundausstattung“ fast jeder größeren französischen Orgel. Die Zungenregister Bombarde 16‘ – Trompette 8‘ – Clairon 4‘ bezeichnet man als „Batterie“. Horizontal angebrachte Trompeten sind Trompette en Chamade.
- Appels: „Fußtasten“ oder „Tritt-Knöpfe“ – meist oberhalb oder seitlich der Pedalklaviatur – zum Abruf von gespeicherten Registergruppen während des Spiels (z.B. Appel d’anches / Appel der Zungenregister). Auch Koppeln oder das Tutti können über Appels aktiviert werden.
- Balancier – Balancier-Tritt: Ein für die Orgel typischer Mechanismus mit mechanischem Antrieb, der es dank eines Gegengewichts mit zwei stabilen Positionen ermöglicht, Zwischenstellungen zu vermeiden und die geöffnete oder geschlossene Stellung zu erzwingen, sei es zum Ziehen der Register oder für die Pedalkoppeln und Koppeln.
- Barkermaschine, Barkerhebel = Machine Barker: eine pneumatische Hebel-Vorrichtung zwischen Taste und Ventil, die ein müheloses Spiel auch auf gekoppelten Manualen ermöglicht. Erfinder war der Orgelbauer Charles Barker (Mitte 19. Jhd.). Bis dahin war das Spiel auf mechanisch gekoppelten Manualen sehr mühsam.
- Basses de …, Basslage: die Pfeifen eines Registers, die tiefe Töne erzeugen, spielbar von der linken Klaviaturhälfte aus, etwa C–g°
- Basson – Fagott, sanftes Zungenregister
- Batterie → Anches
- Boîte expressive: → Schwellkasten oder Récit expressif; „hors boîte“: außerhalb des Schwellkastens
- Bombarde – Posaune, Zungenregister (als 16‘ oder 8‘)
Bombarde – in großen Instrumenten ein eigenes Manual für kräftige Zungenregister, das insgesamt als „Bombarde“ bezeichnet wird, z.B. in St-Germain-des-Prés - Bourdon: weiches, gedämpftes Grundregister (gibt nur die ungeraden Obertöne wieder)
- Buffet: Schnitzarbeit, die die Orgel als Ganzes oder Teile davon umgibt.
- Cäcilianismus: um ca. 1850 in der katholischen Kirche entstandene Reformbewegung u.a. mit dem Ziel, eine „echte Kirchenmusik“ wieder herzustellen. Der gregorianische Choral wurde als Ideal betrachtet, Instrumentalmusik nur in liturgisch dienender Funktion geduldet.
- Cantus firmus: die Hauptmelodie (hier meist gregorianischer Choral bzw. „plain-chant“) eines liturgischen Orgelstücks. Bei barocker französischer Orgelmusik liegt der Cantus firmus meist im Tenor (in langen Noten im Pedal gespielt); ab dem 19. Jh. häufiger im Sopran.
- Chalumeau: Zungenregister mit verkürztem Korpus, v.a. in deutschsprachigen Orgeln, zur Oboenfamilie gehörig
- Chamade: Zungenregister (Trompete und Klarinette), deren Pfeifen horizontal angeordnet sind
- Chanoine: Fassadenpfeife, i.d.R. Prinzipalpfeife, zur Dekoration, stumm
- Clairon: Zungenregister, ähnlich wie Trompete, aber eine Oktave höher klingend (4‘)
- Clarinette: Zungenregister (ab dem 19. Jh.), ähnlich dem Cromorne, jedoch wesentlich größer und sehr oft mit konischer Zunge
- Clavier: Tastatur eines Manuals, i.d.R. 54, 56 oder 61 Tasten
- Combinateur électronique → Setzeranlage
- Console: Spieltisch; befindet sich der Spieltisch im Sockel des Hauptprospekts, spricht man von einem „Fenster-Spieltisch“; kehrt der Organist der Orgel den Rücken zu, spricht man von einem „umgedrehten“ Spieltisch.
- Contrebasse: kräftiges Pedalregister 16‘; Prinzipal oder Flöte, seltener Gambe, die den Orchesterkontrabass imitiert
- Cor de nuit: Nachthorn; sanfter Bordun, meist im schwellbaren Récit
- Cornet V-fach: etwa seit dem 17. Jhd. übliche Fünfer-Kombination von Registern (pro Taste erklingen also fünf Pfeifen), z.B. Bourdon 8‘ / Prestant 4‘ / Nazard 22/3‘ / Octave 2‘ / Tierce 13/5‘; eines der charakteristischsten Register der klassischen frz. Orgel; ergibt einen klar zeichnenden, leicht näselnden Gesamtklang, geeignet für reich verzierte Solo-Stimmen
- Couplet → Versett
- Crescendo ajustable: im späteren 19. Jh. entwickelte Vorrichtung zur Zuschaltung von Registergruppen während des Spiels mit dem Effekt der schnellen Klangsteigerung. Die Abfolge der Registergruppen muss vor dem Spiel bestimmt werden.
- Cromorne: Zungenregister mit zylindrischem Korpus, imitiert das gleichnamige Musikinstrument, i.d.R. im Positif platziert.
- Cuillère = Löffeltritt: Mechanismus, der mit dem Fuß betätigt wird, zur Aktivierung einer Koppel, eines Tremblant, eines Tutti oder eines Schwellers. In modernen Instrumenten durch Pistons oder (beim Schweller) durch einen Balanciertritt ersetzt.
- Cymbale: Ein Mixturregister, das zusammen mit der Fourniture das Plein-Jeu der klassischen frz. Orgel bildet. Die Cymbale besteht aus höher klingenden Pfeifen als die Fourniture.
- Dessus de …, Diskantlage: die Pfeifen eines Registers, die hohe Töne erzeugen, spielbar von der rechten Klaviaturhälfte aus, etwa g1–c3.
- Doublette: 2‘-Register, zur Familie der Prinzipale gehörig
- Dulciane: sanftes Register mit wenig Schärfe, auch als sanftes Zungenregister
- Echo: kleineres Werk der barocken Orgel im Unterbau der Orgel oder im Orgelprospekt, erzeugt dank seiner sanften Register (klassische frz. Orgel) oder seiner Position im Instrument (19.–20. Jh.) Entfernungseffekte und wird zur Klangabstufung gegenüber stärkeren Werken (z. B. Positif) als „Echo“-Wirkung eingesetzt.
- Expression → Récit expressif
- Flûte harmonique: Eine Flöte, deren Korpus auf halber Höhe mit einem kleinen Loch versehen ist, wodurch sich ihre Schwingungsfrequenz verdoppelt
- Flûte octaviante: Flûte harmonique 4‘
- Fonds (jeu de) → Grundstimmen
- Fourniture: zum Plein-Jeu gehörig, 3 bis 10 Pfeifen pro Taste, bereichert den Grundstimmen-Klang mit Obertönen
- Gambes: engmensurierte Register, Weiterentwicklung im 19. Jh., zahlreich in romantischen symphonischen Orgeln
- Grand Chœur (1): Ensemble-Registrierung, bei der Grund- und Zungenstimmen kombiniert werden; evtl. auch mit Mixturen (19. Jh.)
Grand Chœur (2): bei großen Orgeln ein dem Hauptwerk vergleichbares Werk (Manual), an das alle anderen angekoppelt werden können, z.B. in Notre-Dame de Paris - Grand Jeu: zungenhaltiges, brillantes und strahlendes Plenum, mit allen Bombarden, Trompeten, Clairons, Cromornes, Cornets und Prestants, für barocke Stücke; Bezeichnung für Musikstücke, die diese Registerkombination verwenden
- Grand-Orgue: Hauptwerk (1. oder 2. Manual, je nachdem, ob ein Positif de dos vorhanden ist oder nicht)
- Grand Orgue: die Hauptorgel im Unterschied zur Chororgel
- Gregorianischer Choral: seit dem 6. Jh. in der katholischen Kirche gebräuchliche Gesänge, unbegleitet, in lateinischer Sprache. Der Rhythmus folgt Atem- oder Textductus.
- Grundstimmen, Jeux de Fonds: Labialregister in 32‘, 16‘, 8‘oder 4‘-Lage, klangliche Grundlage der Orgel; Principales, Bourdons, Gambes, Flûtes
- Hautbois: Oboe, solistisches Zungenregister, i.d.R. im Récit, zylindrisch mit trichterförmigem Schalltrichter
- Harmonisation, Intonierung, Intonation: als letzter Schritt bei der Herstellung einer Orgel ist die Intonation eine langwierige und heikle Arbeit, die wichtiger ist als der mechanische Bau. Jeder Pfeife wird ein eigener Klang verliehen, damit das Instrument perfekt ausgeglichen ist in Bezug auf Architektur, Hall, Kraft, Resonanz. Bei diesem Vorgang werden an den Öffnungen jeder Pfeife minimale Veränderungen vorgenommen, was eine erhebliche Änderung des Klangs (schrill, dumpf, hauchig …) zur Folge hat. Durch die Neuintonierung aller Register einer Orgel kann der Charakter des ganzen Instruments verändert werden. Die Intonation verleiht dem Instrument seine „Seele“ – jeder Pfeife ihre eigene Kraft, ihren Klang und ihre Anprache.
- Jalousies, Jalousien: bewegliche Klappen am Schwellkasten, die man mit dem Schwelltritt steuern kann, um den Schwellkasten zu öffnen oder zu schließen
- Jeu Inégale, inegales Spiel: eine rhythmische Besonderheit bei der Interpretation barocker frz. Orgelmusik: Noten gleichen Notenwertes werden „ungleich“ gespielt, z.B. eine Kette von Achteln als punktierte Achtel und Sechzehntel im Wechsel. Je nach Charakter und Tempo eines Stückes kann der „Inegalitätsgrad“ sehr unterschiedlich sein.
- Jeu, Jeux = Register: eine Reihe Pfeifen gleichen Klangcharakters, z.B. Flöte 8‘ im Hauptwerk: Jeder Taste der Hauptwerksklaviatur ist eine der Tonhöhe entsprechende Flöten-Pfeife zugeordnet. Hat die Klaviatur 56 Tasten, muss es also 56 Flöte-8‘-Pfeifen geben. Die Pfeifen eines Registers unterscheiden sich durch die von Pfeife zu Pfeife schrittweise abnehmende Länge („wie die Orgelpfeifen“) und Weite. Die größte Pfeife für die tiefste Taste ist bei Flöte 8‘ genau 8 Fuß lang. Lange Pfeifen erzeugen tiefere, kurze Pfeifen höhere Töne. Die Anzahl der Register bestimmt die Größe einer Orgel. In Frankreich gilt eine Orgel als klein, wenn sie weniger als 15 Register hat, und als „groß“, wenn sie mehr als 50 Register hat.
- Jeux de Combinaison: eine Anzahl von Registern („Jeux“) ist auf einer eigenen Windlade untergebracht; während des Spiels können durch eine Fußtaste (Appel) genau diese Register innerhalb eines Moments aktiviert werden. Dieses Verfahren wurde im Laufe des 20. Jhs. ersetzt durch Combinaisons ajustables oder durch elektronische Setzeranlagen. In St-Sulpice existieren heute noch die Jeux de Combinaison und sind in der herkömmlichen Weise funktionsfähig.
- Jeux de Fonds → Grundstimmen
- Jeux d’Anches → Anches
- Kombinationstritt → Appels
- Koppel → Accouplement (Manualkoppel) und → Tirasse (Pedalkoppel)
- Labialregister: die von unten in die Pfeifen dieser Bauart dringende Luft schwingt als gleichmäßige Luftsäule (anders als bei den Zungenregistern). Die unterschiedlichen Klangfarben der Labialregister ergeben sich vor allem durch die Form der Pfeife. Enge Pfeifen klingen obertöniger (Streicherklang), weite Pfeifen bei gleichem Wind grundtöniger (Blockflötenklang). Eine große Rolle für den Klangcharakter spielt neben der Breite des Labiums (die sichtbare, oben und unten abgeschrägte ‚Mundöffnung‘ einer Pfeife) auch die Aufschnitthöhe (wie weit der ‚Mund‘ geöffnet ist). Der Großteil der Register einer Orgel ist als Labialregister gebaut; den kleineren Teil nehmen die Zungenstimmen ein.
- Lade → Windlade
- Larigot: Aliquotregister aus der Familie der Flöten, Quinte, eine Oktave über dem Nasard
- Laye: unterer Teil des Windkastens der Orgel, der die Ventile beherbergt und die Luft speichert, die die Windkanäle aus dem Gebläse dorthin leiten.
- Manual: mit den Händen spielbare Klaviatur, jedes Manual ist einem bestimmten Werk zugeordnet. Große Orgeln verfügen über 5 Manuale (treppenartig vor dem Spieler angeordnet, z.B. in St-Gervais). Hauptmanual = Grand-Orgue (GO), Rückpositiv = Positif à dos (Pos), Schwellwerk = Récit expressif (Réc), Pedal = Pédale (Péd)
- Mécanique: Gesamtheit der Elemente, die es ermöglichen, entweder die Pfeifen oder Register im traditionellen Bausystem in Gang zu setzen.
- Mixtur, Mixturregister (Je nach Zusammensetzung anders benannt: Mixture, Plein-Jeu, Fourniture, Cymbale). Hier erklingen pro Taste mehrere Pfeifen (meist Quinten und Oktaven zum Grundton) gleichzeitig. Mixturen hellen den Klang der Orgel auf, machen ihn „strahlend“. Je nach Anzahl der „automatisch“ gleichzeitig erklingenden Pfeifen pro Taste wird die Mixtur benannt, z.B. II-fach oder V-fach.
- Modernisierung: Umbau einer Orgel (technisch oder klanglich)
- Montre: Pfeifen, die die Fassade des Orgelprospekts schmücken
- Mutations → Aliquoten
- Nasard: einfaches Aliquotregister aus der Familie der Flöten von 22/3‘, Teil des Kornettregisters
- octaviante: Pfeife, eine Oktave höher erklingend als ihre Eigenfrequenz
- Octave aiguë: Hinzukopplung der hohen Oktave
- Octave grave: Hinzukopplung der tiefen Oktave
- Orage, Donnerzug: mehrere tiefe und laute Pfeifen werden durch ein „Appel“ gleichzeitig aktiviert, was einen donnerähnlichen Klang erzeugt
- Pédale, Pédalier: Klaviatur, deren Tasten genau wie Manualtasten angeordnet sind, nur mit den Füßen zu spielen. Barocke französische Orgeln hatten äußerst kurze Pedaltasten, die nur mit der Fußspitze gespielt werden konnten. Seit dem frühen 19. Jh. sind Orgeln mit langen Tasten (etwa 27 bis 30) ausgestattet; diese Tasten werden mit Spitze und Absatz des Fußes gespielt.
- Pédalier à l’Allemande = deutsches Pedal: ab den 1840er Jahren baute man auch in Frankreich die aus Deutschland bekannten Pedalklaviaturen mit längeren Tasten und Tonumfang etwa C–d1. Das erste „deutsche Pedal“ in Paris wurde 1841 in St-Germain l’Auxerrois auf Wunsch von Boëly gebaut.
- Pédales de Combinaison → Appels
- Pédale d’Expression: Löffeltritt (Schwelltritt); löffelförmige Vorrichtung, um die Lamellen des Schwellkastens mit dem Fuß zu öffnen oder zu schließen
- Pedalkoppel → Tirasse
- Pfeifenlänge, Pied = Fuß (altes Längenmaß): Standard-Maßeinheit, etwa 30 cm. Die Fußtonzahl hinter einem Registernamen, z.B. Sifflet 1‘, bezieht sich auf die längste Pfeife des Registers. Die tiefste Pfeife im Register Sifflet 1‘ ist (ohne Pfeifenfuß) genau 1 Fuß, also etwa 30 cm lang. Die tiefste Pfeife eines Montre 8‘ misst 8 x 30 cm, also bereits 2,40 m. Schlägt man die tiefste Taste „C“ bei gezogenem Principal 16‘ an, erklingt eine Pfeife, die 4,80 Meter lang ist. Bei „gedackten“ Registern (die Pfeife ist oben abgedeckt, z.B. Bourdon) erklingt der Ton eine Oktave tiefer als bei einer offenen Pfeife derselben Länge.
- Plain-chant: gregorianischen Choralthemen nachempfundene, choralähnliche Melodie, meist in gleichlangen Notenwerten. (Entstehung 16./17. Jh.)
- Plein-Jeu: ein einzelnes Mixturregister ODER eine bestimmte Kombination aller Grundregister, Doubletten, Fournitures und Cymbales für barocke Orgelstücke. Der GO-Anteil dieser Registrierung wird als „Grand Plein Jeu“ bezeichnet, der Positif-Anteil als „Petit Plein Jeu“
- Plenum: eine „Ensemble“-Registrierung. In unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen verbirgt sich hinter diesem Begriff jeweils eine andere, in jedem Fall aber sehr kräftige, das Instrument repräsentierende Zusammenstellung mehrerer Klangfarben.
- Pneumatik: Verbindung zwischen Taste oder Registerzug und Windlade per Röhrensystem statt mit einer Mechanik
- Positif (dt. Positiv): ein Werk der Orgel, vom ersten oder zweiten Manual aus spielbar, bis Ende des 18. Jhds. meist als Positif de dos (Rückpositiv) hinter dem Rücken des Spielers in einem eigenen kleinen Gehäuse gebaut (die Verbindungen zum Hauptgehäuse laufen unterhalb der Pedalklaviatur entlang); bei romantischen Orgeln ist das Positif meist im Gesamtgehäuse der Orgel untergebracht, oft auch als zweites Schwellwerk.
- Prospekt: vom Kirchenraum aus sichtbare Vorderseite des Orgelgehäuses
- Ravalement: bei barocken Orgeln die Fortführung des Pedalumfangs nach unten bis unter das große C. Das französische barocke Pedal war mit nur wenigen Registern ausgestattet und diente als solistische Cantus-Firmus-Klaviatur (in Tenorlage klingend). Eine weitere Funktion war die Verstärkung des Basstones bei Schlussakkorden. Für diesen Effekt und für tiefergehende Cantus Firmi wurde bei manchen Orgeln das Pedal um einige sehr tiefe Töne erweitert: Kontra-A gab es in St-Nicolas-des-Champs, St-Gervais, St-Merry; sogar bis Kontra-F (in den Zungenstimmen) erklang das Pedal in St-Sulpice. Im Verlauf der Umbauten des 19. Jhs. wurden die meisten Ravalements wieder entfernt.
- Récit (1): „der Bericht“: die solistisch registrierte, rezitierende Hauptstimme eines barocken Stückes
Récit (2): Manualwerk über dem „Grand-Orgue“-Manual im oberen Gehäuseteil. Im Barock waren die Register dieses Manuals für Solostimmen bestimmt (z.B. Cornet), ab dem 19. Jhd. stärker besetzt → Récit expressif - Récit expressiv, Expression, Schwellwerk: Werk im oberen Teil des Orgelgehäuses, vom dritten oder vierten Manual aus spielbar. Die Pfeifenreihen dieses Werkes stehen in einem großen Holzkasten, der an einer oder auch zwei Seiten mit Jalousien versehen ist. Der Organist kann mittels eines Balanciertritts oder Löffeltritts (über bzw. neben der Pedalklaviatur angebracht) während des Spiels diese Jalousien Stück für Stück öffnen oder schließen. Bei geschlossenen Jalousien dringt nur wenig Klang aus dem Holzkasten, bei geöffneten Jalousien sind die Pfeifen klar und deutlich zu hören. Die Angaben „piano, mezzo-forte, fortissimo“ etc. in den Noten beziehen sich ausschließlich auf den „Öffnungsgrad“ der Jalousien und nicht auf die Anzahl der gezogenen Register. Diese mechanische Crescendo-Decrescendo-Vorrichtung ist essentielles Gestaltungsmittel für die Interpretation romantischer und auch „moderner“ Orgelmusik.
- Régale: Bezeichnung für eine Gruppe von Zungenregistern mit sehr verkürzten Pfeifen und einem malerischen Klang wie der „Voix humaine“. Bezeichnet auch kleine Instrumente, die ausschließlich aus Zungenregistern mit sehr kurzen Pfeifen bestehen
- Register → Jeu
- Registertraktur: Verbindung zwischen dem Registerzug (Holzknauf, Knopf, Kippschalter) im Spieltisch und der entsprechenden Apparatur der Windlade. Diese Verbindung kann mechanisch, pneumatisch (mit Hilfe eines Röhrensystems) oder elektrisch (durch Strom) erfolgen. Alle Registerzüge sind vom Sitzplatz des Organisten aus leicht zu bedienen
- Registrant: ein Helfer, der bei Stücken mit vielen Registerwechseln während des Spiels die Registerzüge bedient. Bei Konzerten an großen mechanischen Orgeln ohne Spielhilfen sind oft ein oder gar zwei Registranten nötig
- Registrierung: vom Musizierenden getroffene Auswahl bestimmter Register für die Interpretation eines Orgelstückes
- Rekonstruktion: Neubau eines Instruments (oder von Pfeifen) im Sinne einer Stilkopie, anhand historischer Baupläne oder vergleichbarer Vorbilder
- Relevage: Vorgang, bei dem eine Orgel entstaubt und kleinere Reparaturen durchgeführt werden
- Renovierung: kann bedeuten, dass schadhafte Teile eines älteren Instrumentes durch gleichartige neue ersetzt werden, aber auch, im Sinne von Modernisierung, dass dabei Funktionsweisen innerhalb eines älteren Instrumentes verändert werden, z.B. Ersetzen alter mechanischer Trakturen durch neue elektrische Trakturen
- Restaurierung: Wiederherstellung eines klar definierten früheren, soweit möglich ursprünglichen Zustandes eines Instruments, anhand des vorgefundenen und wenn nötig, auch neuen (rekonstruierten) Materials
- Rückpositiv →Positif
- Schleife: eine lange Holzleiste mit Bohrungen für die auf der Windlade stehenden Pfeifen. Verschiebt sich die Schleife, kann Wind durch die Löcher in die Pfeife dringen: Das Register ist dann „gezogen“. Damit ein Ton erklingen kann, muss allerdings noch das Ventil unter einer Pfeife geöffnet werden (nämlich durch das Niederdrücken einer Klaviaturtaste).
- Schwebung: ein von der Tonhöhe der anderen Register derselben Fußtonlage leicht abweichend gestimmtes Register (z.B. Unda Maris oder Voix Céleste). Zieht man ein Schwebungsregister und ein „normales“ gleichzeitig, vibriert der aus dieser Addition entstehende Gesamtklang ganz leicht. Besonders aus leisen, poetischen Passagen romantischer Orgelmusik ist dieser Effekt nicht wegzudenken.
- Schwellkasten, Boîte expressive: Holzkasten mit Jalousien, in den die Pfeifen des Schwellwerks eingebaut sind.
- Schwellwerk → Récit expressif
- Setzeranlage, Combinateur électronique: etwa seit den 1970er Jahren die Nachfolgetechnik der freien Kombinationen. Mit Hilfe elektronischer Setzeranlagen kann eine sehr große Anzahl (bei größeren Instrumenten mehrere hundert) beliebiger Zusammenstellungen von Registern vor dem Spiel gespeichert und während des Spiels jederzeit abgerufen werden, und zwar durch einen einzigen Druckknopf, der sich die Reihenfolge der Zusammenstellungen quasi „gemerkt“ hat. Manche Orgeln verfügen auch über einen Vorwärts- und einen Rückwärtsknopf. Diese beiden Sequenztasten sind direkt oberhalb der Pedalklaviatur oder auch an der Leiste unterhalb des ersten Manuals angebracht. Dadurch wird ein Registrant überflüssig.
- Solo: ein Manualwerk (19. Jahrhundert)
- Sommier → Windlade
- Soubasse: Bourdon aus Holz im Pedal, 32‘ oder 16‘
- Soufflet: Balg, der dazu dient, Wind zu produzieren, entweder keilförmiger Blasebalg, Balg mit paralleler Platte oder Laterne
- Spielhilfen → Appels, freie Kombinationen, Setzeranlage, Tuttiknopf
- Spieltisch, Console: der „Arbeitsplatz“ des Organisten mit Manualen und Pedal in der Mitte, den Registerzügen links, rechts, oder auch oberhalb der Manuale sowie den Spielhilfen.
Der Spieltisch kann vor oder auch (bei Orgeln des 20. Jhs. häufiger) frei beweglich neben dem eigentlichen Orgelgehäuse oder sogar unten im Kirchenschiff stehen. - Spieltraktur: Verbindung zwischen einer Taste der Klaviatur und dem Ventil unter der zugehörigen Pfeife. Diese Verbindung kann mechanisch (durch sehr dünne Leisten, sog. Abstrakten), pneumatisch (mit Hilfe eines Röhrensystems) oder elektrisch (durch Strom) erfolgen.
- Suppression: Inaktivierung, z.B. „Suppression Bombarde“ bedeutet Inaktivierung dieses Werks per Appel
- taille, … en taille, Tenor- bzw. Altlage: die Pfeifen eines Registers in der Mittellage, spielbar von der Mitte der Klaviatur aus, etwa g°–g1
- Taille, Mensur: die Mensur ist das Verhältnis des Durchmessers einer Pfeife zu ihrer Länge. Man unterscheidet hauptsächlich drei Größen: weit (Flöten), mittel (Prinzipale), eng (Streicher).
- Tempérament, Stimmung: gleichstufige oder ungleichstufige Stimmung, d.h. die Art und Weise, wie die 12 Halbtöne auf eine Oktave verteilt werden. Bei 12 gleichen Halbtönen spricht man von gleichstufiger Stimmung; die mitteltönige Stimmung ist ein Beispiel für eine ungleichstufige Stimmung
- Tierce: Aliquotregister der Flötenfamilie; 5. Oberschwingung der 8‘-Flûte (Tierce 13/5‘) oder 5. Oberschwingung der 16‘-Flûte (Grosse Tierce 31/5‘). Verleiht dem Cornet seinen ganz besonderen Klang. Kann auch als Hauptstimme fungieren und vermischt sich dann mit dem Plein-Jeu.
- Tirasse, Pedalkoppel: Durch diese Koppel können Register, die einem bestimmten Werk zugeordnet sind (z.B. Grand-Orgue), auch vom Pedal aus gespielt werden. Die vermutlich erste schaltbare Pedalkoppel in Paris wurde 1659 auf Anregung von Louis Couperin in St-Gervais gebaut.
- Titulaire, Organiste Titulaire: bedeutet wörtlich „Titelinhaber an der Orgel“ oder „Stelleninhaber“. Anders als ein hauptamtlicher Kirchenmusiker in Deutschland ist ein „Titulaire“ nicht Angestellter der Kirchengemeinde, sondern arbeitet auf einer Art Honorarbasis. Fast jeder Titulaire hat eine feste Anstellung außerhalb der Kirche, oft als Dozent oder Orgel-Professor. Unabhängig davon bedeutet es eine hohe künstlerische Ehre, Titulaire an einer bedeutenden Orgel zu sein
- Traktur (frz. „Transmission“, „Traction“): eine Verbindung, z.B. Spieltraktur, Registertraktur
- Transmission (als deutscher Ausdruck): Einrichtung, mit deren Hilfe ein einzelnes Register eines Werkes (z.B. Trompette des Hauptwerks) von einer anderen Klaviatur aus (z.B. vom Pedal aus) gespielt werden kann, ohne Verwendung einer Koppel
- Tremblant, Trémulant, Trémolo: Tremulanten dienen dazu, den Luftstrom leicht zu variieren, um dem Klang der Pfeifen einen zitternden Effekt, ein Vibrato, sowie ein Tremolo zu verleihen. Mithilfe eines Mechanismus wird der Orgelwind in regelmäßige Schwingungen versetzt. Dadurch wird eine Art Klangvibrato erzeugt; der Tremulant wird zur Belebung solistischer Klangfarben, z.B. Voix humaine, verwendet.
- Tringlerie, Zugwerk: Bei der mechanisch betätigten Orgel die Gesamtheit der beweglichen Teile, die von den Manualen zu den Ventilen führen.
- Trompette: dominantes Zungenregister, Grundlage des klassischen Grand-Jeu
- Tuttiknopf, Appel Tutti: schaltet fast alle Register und Koppeln der Orgel (außer Schwebungen und Tremulanten) gleichzeitig ein, um die volle Klangfülle der Orgel zu erzielen.
- Unda Maris: Schweberegister, das mit einem Salicional verbunden ist, klingt runder als die Voix céleste
- Unterwerk: unterhalb des Hauptwerks angebrachtes Werk (z.B. in St-Louis-en-l’Île)
- Versett, Couplet, Verset: kurzes, nicht unbedingt choralgebundenes Orgelstück, das in der Alternatim-Praxis einen liturgischen Vers vertritt
- Voix céleste: Schweberegister, bestehend aus zwei Gamben, die gegeneinander leicht verstimmt sind und so eine Schwebung erzeugen, i.d.R. erst ab c°
- Voix humaine: kleines Zungenregister mit verkürztem Korpus aus der Familie der Regale, das mehr oder weniger eine Art nasale Menschenstimme imitiert und oft zusammen mit dem Tremulant eingesetzt wird
- Werk, plan sonore: eine Orgel mit z.B. einem Manual und Pedal besteht aus zwei „Werken“ (Manualwerk und Pedalwerk), d.h. zwei eigenständigen Orgeln, die sich in einem gemeinsamen Gehäuse befinden und von einem einzigen Spieltisch aus gespielt werden. Jedes Werk ist mit einer eigenen Klaviatur verbunden.
- Windlade, Lade, Sommier: ein großer Holzkasten, auf dem mehrere Pfeifenreihen eines Werkes stehen. Die Luft (der „Wind“) dringt von unten oder seitlich durch Kanäle in den Windkasten, der die Ventile enthält. Ist ein Ventil geöffnet, strömt die Luft in die zugehörige Kanzelle. Über den Kanzellen befinden sich die beweglichen Schleifen; wenn ein Register eingeschaltet ist, gelangt die Luft in die entsprechende Pfeife dieses Registers und es erklingt ein Ton. In der Regel gibt es ebenso viele Windladen wie Manuale, doch bei sehr großen Instrumenten können die Register eines Manuals auf mehrere Windladen verteilt sein.
- Zungenstimmen, Zungenregister → Anches