Orgeln
Paris, St-Séverin (Kern 1964 IV/59)
Ein Besuch in Saint-Séverin fühlt sich an wie eine Reise ins alte Paris: Verwinkelte Gassen des 5. Arrondissements führen in mittelalterlicher Atmosphäre zur Kirche, deren quadratischer Turm und gotische Wasserspeier an eine andere Epoche erinnern. Um 650 zur Zeit der Merowinger zu Ehren des Einsiedlermönchs Saint-Séverin erbaut, ist sie die älteste Kirche auf dem linken Seine-Ufer. Nach der Zerstörung durch die Wikinger wurde sie im 13. Jh. im gotischen Flamboyant-Stil wiederaufgebaut, der bis heute ihr Erscheinungsbild prägt. Bald darauf wurde sie zur Kirche der Studierenden der Ende des 12. Jhs. gegründeten Universität. Nach einem Brand von 1448 teilweise zerstört, wurde sie erneut aufgebaut. Während der Frz. Revolution diente sie als Lager, doch die Macée, eine der ältesten Bronzeglocken von Paris (1412), ist noch im Glockenturm erhalten. Im Garten, seit dem 15. Jh. Friedhof, fand 1474 die erste von Ludwig XI. genehmigte erfolgreiche Nierensteinoperation statt.
Kern 1964 IV/59
Mechanische Traktur
| 1748 | Claude Ferrand, Bau |
| 1825 | Pierre-François Dallery, Restaurierung (Erneuerung u. a. der Zungen) |
| 1889 | John Abbey, Umbau |
| 1905 | Monument historique |
| 1959–1964 | Alfred Kern, Rekonstruktion im klassischen Stil |
| 1982 | Daniel Kern |
| 1988 | Dominique Lalmand |
| 2011 | Quentin Blumenroeder, Restaurierung, Neuintonation durch Dominique Thomas/Jean-Marie Tricoteaux |
Gehäuse von 1745 im Stil Louis XV, unter Denkmalschutz; Instrumententeil überwiegend aus dem Ancien Régime und dem 19. Jh, von Kern ergänzt und vereinheitlicht. Erste Orgelrestaurierung des 20. Jhs. in Frankreich im neobarocken Sinne, prägend für eine einflussreiche Bewegung. Auch eine manuelle Magazinbalganlage ist noch vorhanden und funktionsfähig (zwei Personen pumpen mit ihren Füßen, während sie sich an Haltestangen festhalten). Eine Orgel ist bereits im 14. Jh. belegt; im 16. Jh. durch Valeran de Héman ersetzt. 1670–1673 Erweiterungen durch Charles und Alexandre Thierry, 1745 Neubau durch Ferrand unter Wiederverwendung einiger älterer Register, damals eine der schönsten Orgeln Paris. 1825 umfassende Überholung durch Dallery (u. a. Erneuerung der Zungenregister), 1850 Reparatur, 1889 vollständiger Umbau im symphonischen Stil durch die Brüder Abbey: neue Windladen, Mechanik, Gebläse und Spieltisch sowie vollständige Neuintonation (III/36).
1963–1964 Neubau durch Alfred Kern (Straßburg) als Synthese der klassischen französischen und deutschen Orgel: Rückpositiv in ursprünglicher Funktion, neues Werk als Resonanzwerk, Echo-Windladen im Gehäuse integriert. Wiederverwendung von Pfeifen von Abbey und Restaurierung nach klassischer Bauweise; Einbau deutscher Mixturen sowie einer deutschen Terz-Cymbel neben neun Fournitures-Reihen „alla Dom Bédos“; hängende Mechanik von Philippe Hartmann und Alfred Kern entworfen, neue Spielnische; 1970er Jahre und 1982: Änderungen an der Disposition durch Kern; 1988 Überarbeitung von Stromversorgung, Mechanik und Neuintonation des Plein-Jeu des Pos., 2011: umfassende Überholung unter Beibehaltung der Arbeiten von Kern sowie der Änderungen von 1970 und 1982.
In Saint-Séverin wird die Liturgie im Sinne der Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils besonders gefördert, angeregt v.a. durch Michel Chapuis und Pater Duchesneau, insbesondere mit lutherischem Choral und hugenottischem Psalter sowie in die Volkssprache übertragenem Gregorianischem Choral.
Titularorganisten: François Espinasse, Nicolas Bucher, Christophe Mantoux, Véronique Le Guen
Vorgänger: Nicolas Séjan, Camille Saint-Saëns, Albert Périlhou, Michel Chapuis
I. Positif de dos C–g3 (56 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte à cheminée . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Larigot . . . . . . . . . . . . 1 1/3′
Plein-Jeu V-VI
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Cromorne . . . . . . . . . . . . 8′
II. Grand-Orgue C–g3 (56 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte conique . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . 4′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Cornet V (D)
Fourniture V
Cymbale IV
Cymbale-Tierce II
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Musette . . . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
III. Résonance C–g3 (56 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Bourdon à cheminée . . . 8′
Quintaton . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte conique . . . . . . . . . 4′
Grosse tierce . . . . . . . 3 1/5′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Quarte . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Sifflet . . . . . . . . . . . . . . . . 1′
Cornet V (D)
Hautbois (D) . . . . . . . . . . 8′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
IV. Echo expressif C–g3 (56 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Viole de gambe . . . . . . . . 8′
Unda Maris . . . . . . . . . . . 8′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte à fuseau . . . . . . . . . 4′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Quarte . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Sifflet . . . . . . . . . . . . . . . . 1′
Sesquialtera II
Cymbale IV-V
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Pédale C–f1 (30 Tasten)
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . 16′
Soubasse . . . . . . . . . . . . 16′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 4′
Cor de nuit . . . . . . . . . . . . 2′
Fourniture V
Cymbale IV
Contrebasson . . . . . . . . 32′
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Acc. GO/Rés, Pos/GO, Rés/GO, Appel Anches GO/Pos/Péd/Écho, Appel Mixtures GO/Péd, Schwelltritt Écho, Tirasses GO + Rés, Tremblant GO, Tremblant Pos, Tremblant Rés
