Orgeln

Courbevoie, St-Maurice-de-Bécon (Cavaillé-Coll 1865 III/37)

Zu Beginn des 20. Jhs. gab es im Stadtteil nur eine kleine Kapelle. Die heutige Kirche entstand zwischen 1907 und 1911 nach Plänen des Architekten Julien Barbier. Das Grundstück war von einer Wohltäterin gestiftet worden, die damit das Andenken ihres tiefgläubigen Sohnes bewahren wollte. Der Bau im neoromanischen Stil zählt zu den frühen Kirchenbauten aus Stahlbeton. Die Fassade wird durch eine zentrale Christusfigur über dem Hauptportal akzentuiert. Das einschiffige Langhaus orientiert sich an den Vorbildern frühchristlicher Basiliken.

Cavaillé-Coll 1865 III/37

Mechanische Spiel- und Registertraktur

1865Cavaillé-Coll, Bau
1912Umstellung (transfert) Mutin-Cavaillé-Coll und Anpassung an den neuen Aufstellungsort
1976Jean Jonet, Überholung/Umdisponierung
2015Denis Lacorre & Laurent Plet, Restaurierung: Wiederherstellung des alten Zustands

Die Orgel wurde 1865 von Cavaillé-Coll für die private Schlosskapelle des Marquis de Lambertye in Gerbéviller (Meurthe-et-Moselle) erbaut. Dort empfing dieser bedeutende Organisten seiner Zeit, darunter Chauvet, Lefébure-Wely, Saint-Saëns und Lemmens. Da es sich um eine Auftragsorgel und nicht um ein Standardinstrument für den liturgischen Gebrauch handelte, konnte Cavaillé-Coll seiner Kreativität freien Lauf lassen. Die Orgel verfügte insbesondere über ein Physharmonica-Register, das von Walcker entwickelt wurde (eine freie Zunge wie beim Harmonium). Hinzu kamen zwei Schwellwerke (Positif und Récit) mit Jalousien, die so einen Fernwirkungseffekt ermöglichten. Erstmals platzierte Cavaillé-Coll die Schwelltritte – hier sogar zwei – mittig statt als seitliche Löffeltritte. Ein deutscher Einfluss zeigt sich etwa in der Bezeichnung bestimmter Register; bemerkenswert ist die besondere Qualität der Materialien. Nach dem Tod des Marquis erwarb Kanonikus Oudin die Orgel 1909 für die Kirche in Bécon-les-Bruyères; von Mutin angepasst, wurde die Orgel dort 1912 installiert und ein Jahr später durch Gigout eingeweiht. Nach 1925 verschwand das Physharmonica-Register; 1976 erfolgten unglückliche Umbauten von Jean Jonet im Sinne der neoklassischen Ästhetik.
Nach der Gründung eines Vereins zur Restaurierung 2006 erfolgte 2013–2015 durch Denis Lacorre und Laurent Plet eine umfassende Restaurierung mit dem Ziel, den Zustand von 1865 wiederherzustellen: Dabei wurden die verschwundenen Register – insbesondere das Physharmonica-Register der Grand-Orgue (heute Éoline) – nachgebaut, die versetzten Register wiederhergestellt sowie die gesamte Mechanik und die Windversorgung restauriert. Zudem wurde das Récit neu ausgerichtet, um das von Cavaillé-Coll angestrebte klangliche Gleichgewicht zurückzugewinnen. Stimmton 435 Hz, gleichstufige Stimmung, Monument historique.

I. Grand-Orgue C–g3 (56 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Viola di gamba . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Progressio harmonica III-VI
Tuba major . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon harmonique . . . . 4′
Eoline . . . . . . . . . . . . . . . . 8′

II. Positif expressif C–g3 (56 Tasten)
Quintaton . . . . . . . . . . . 16′
Fugara . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Pastorita . . . . . . . . . . . . . 8′
Unda Maris . . . . . . . . . . . 8′
Salicional . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte Traversière . . . . . . . 4′
Octavin . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Piccolissimo . . . . . . . . . . . 1′
Cromorne . . . . . . . . . . . .  8′
Basson-Hautbois . . . . . .  8′

III. Récit expressif C–g3 (56 Tasten)
Flûte angélique . . . . . . . . 8′
Viole d'amour . . . . . . . . . 8′
Voix céleste . . . . . . . . . . . 8′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Flûte pastorale . . . . . . . . 2′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
Musette . . . . . . . . . . . . . . 8′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′

Pédale C–d1 (27 Tasten)
Untersatz . . . . . . . . . . . . 32′
Principal Basse . . . . . . . 16′
Subbass . . . . . . . . . . . . . 16′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Violoncelle . . . . . . . . . . . . 8′
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

Acc. Pos/GO, Réc/GO, Réc/Pos, Appels Anches GO/Pos/Péd/Réc, Schwelltritte Pos/Réc, Copula GO, Octaves aiguës Péd, Octaves graves GO, Tirasse GO/Pos/Réc