Orgeln

Paris, Deutsche Evangelische Christuskirche (Kleuker 1964 II/19)

Die Christuskirche (25 rue Blanche) ist das Gotteshaus der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Paris; sie wurde 1894 errichtet. Die Wurzeln der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde reichen bis ins 17. Jh. zurück, als protestantische Gottesdienste in Frankreich noch verboten waren; Religionsfreiheit wurde erst 1806 gewährt. Im 19. Jh. entwickelte sich die Gemeinde zu einem wichtigen religiösen und sozialen Zentrum für die zahlreichen Deutschen in Paris, von denen viele in bescheidenen Verhältnissen lebten. Freitag Vor dem Ersten Weltkrieg erlebte das Gemeindeleben einen starken Aufschwung, doch mit Kriegsbeginn 1914 wurden die kirchlichen Gebäude beschlagnahmt und die Gemeinde praktisch aufgelöst. Ab 1927 begann unter schwierigen politischen Bedingungen der Wiederaufbau. Während der NS-Zeit (1933–1945) befand sich die Gemeinde in einem Spannungsfeld zwischen Anpassung an das Regime und Hilfe für Verfolgte. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Gemeindearbeit erneut neu aufgebaut werden und konnte ab 1954 offiziell wieder aufgenommen werden. Mit der deutsch-französischen Annäherung entwickelte sich die Christuskirche zunehmend zu einer Brücke zwischen beiden Ländern. Heute gehört die Gemeinde zur Evangelische Kirche in Deutschland und ist geistliche Heimat für deutschsprachige Protestanten in Paris. Anders als in Deutschland erhält sie keine Kirchensteuermittel, sondern muss ihre Arbeit überwiegend durch Mitgliedsbeiträge und Spenden selbst finanzieren.

Kleuker 1964 II/19

Mechanische Traktion

Die erste Orgel, Opus 219 der deutschen Firma Gebrüder Link aus Giengen an der Brenz, war ursprünglich 1894 als Instrument für die Weltausstellung in Antwerpen gebaut und dort mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet worden. Ihr Einbau – ein Instrument mit röhrenpneumatischer Traktur und romantischer Disposition (II/12) – war der Ausgangspunkt für ein intensives Musikleben. Als die Räume während des Ersten Weltkrieges beschlagnahmt wurden, wurde sie demontiert und 1919 in der Église luthérienne de l’Ascension wieder aufgebaut, wo sie bis heute steht. In der Zwischenkriegszeit wurden Pläne für ein neues Instrument geschmiedet, unterstützt von Dr. Albert Schweitzer, der den Bau einer neuen Orgel durch Fritz Haerpfer empfahl; der Zweite Weltkrieg machte dem Projekt jedoch ein Ende. Das heutige Instrument von Detlef Kleuker (Bielefeld) von 1964, orientiert sich in seinem Aufbau an der norddeutschen Barockorgel und wurde teilweise vom deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer finanziert. Die Orgel und Kirchenmusik genießen einen internationalen Ruf, die Akustik gilt als eine der besten in Paris, jährlich finden etwa 50 Konzerte und regelmäßige Aufnahmen statt.
Organistin: Helga Schauerte-Maubouet

I. Rückpositiv C–g3 (56 Tasten)
Gedackt . . . . . . . . . . . . . . 8′
Rohrflöte . . . . . . . . . . . . . 4′
Prinzipal . . . . . . . . . . . . . . 2′
Quinte . . . . . . . . . . . . 1 1/3′
Sesquialter II
Scharff V
Holzkrummhorn . . . . . . . 8′

II. Hauptwerk C–g3 (56 Tasten)
Prinzipal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Rohrflöte . . . . . . . . . . . . . 8′
Oktave . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Koppelflöte . . . . . . . . . . . 4′
Waldflöte . . . . . . . . . . . . . 2′
Mixtur VI
Trompete . . . . . . . . . . . . . 8′

Pedal C–f1 (30 Tasten)
Untersatz . . . . . . . . . . . . 16′
Prinzipal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Oktave . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Nachthorn . . . . . . . . . . . . 2′
Fagott . . . . . . . . . . . . . . . 16′

Acc Pos/GO, Tirasses GO + Pos, Tremblant Pos