Orgeln

Saint-Denis, Cathédrale (Cavaillé-Coll 1841 III/70)

Eine erste Kirche wurde 475 von der heiligen Genoveva über einem gallorömischen Friedhof errichtet; im 7. Jhd. größere Kirche von König Dagobert I., im 12. Jhd. Abteikirche von Abt Suger mit innovativen Elementen; das erste gotische Bauwerk.
Als traditionelle Grablege der frz. Könige und Königinnen ist St-Denis die bedeutendste Nekropole der Kapetinger-Dynastie. Im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und erweitert, u. a. Kapellen und dekorative Elemente. Während der Französischen Revolution geplündert und beschädigt; ihre Funktion als Grabstätte blieb jedoch erhalten. Im 19. Jh. leitete Eugène Viollet-le-Duc eine umfassende Restaurierung. 1966 in Rang einer Basilika-Kathedrale erhoben, Sitz der neugegründeten Diözese Saint-Denis. Heute Gotteshaus, nationales Erinnerungsmoment und eines der bedeutendsten Bauwerke der französischen Geschichte, bedeutendstes Kulturerbe. Mit ihrer wegweisenden Architektur und den königlichen Gräbern zählt sie zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Großraums Paris und steht nach wie vor im Mittelpunkt des religiösen und kulturellen Lebens von Saint-Denis.

Cavaillé-Coll 1841 III/70

Mechanische Traktur, Barker-Maschine

1700Jean Brocard, Bau
1834–1841Cavaillé-Coll, Bau
1901Mutin-Cavaillé-Coll, leichter Umbau
1983–1987Danion-Gonzalez und Boisseau-Cattiaux, Restaurierung
2000Charles Sarelot

Nachdem die Orgel von Brocard (1700) 1800 demontiert worden war, verfügte die Basilika zur Wiedereröffnung 1806 über kein Instrument mehr. Ein 1833 ausgeschriebener Wettbewerb für einen Orgelneubau zog zahlreiche renommierte Orgelbauer an (Erard, Abbey, Dallery, Callinet). Kurz vor Ablauf der Frist reichte der erst 24jährige Cavaillé-Coll aus Toulouse einen ebenso kühnen wie innovativen Entwurf ein und gewann den Wettbewerb – ein Ereignis, das als Geburtsstunde der frz. symphonischen Orgeltradition gilt.
1834–36 Gehäuse nach Plänen des Architekten François Debret. Die 1834–41 von Cavaillé-Coll erbaute Orgel (Opus 10) vereint klassische Elemente (z.B. vollständiges Plenum, Zungenregister, Cromorne, Cornet) mit wegweisenden Neuerungen. Da sich die Arbeiten durch den Gehäusebau verzögerten, nutzte Cavaillé-Coll die Gelegenheit, um seinen Entwurf zu ändern und zahlreiche für die Geschichte des Orgelbaus revolutionäre Verbesserungen einzubauen: Récit expressif (Löffeltritt), orchestrale Klangfarben (Fagott, Oboe, Klarinette), überblasende Flöten („harmonique“), differenzierte Winddrücke für Pfeifen- und Zungenregister, Appel Jeux d’Anches, zahlreiche 8′-Grundregister, erster Barker-Hebel, der ein müheloses Spiel auf gekoppelten Manualen ermöglichte, sowie neuartige dynamische Steigerungen ohne Brüche.
1860 Beschädigung und keine regelmäßige Wartung mehr, besorgniserregend; 1901 Erweiterung und Modernisierung von Mutin, ohne ihre ursprüngliche Konzeption grundlegend zu verändern (Pedal nun bis C (C–F nur bei gekoppelten Manualen klingend), neues Gebläse, Spieltisch, Récit nun im romantischen Stil, Register-Änderungen und Erweiterungen auf 69 Reg.); 1977 außer Betrieb gesetzt, erfolgte 1983–87 eine umfassende Restaurierung durch Danion-Gonzalez (Mechanik) und Boisseau/Cattiaux (Pfeifen, Intonation). Die Wiedereinweihung übernahm Pincemaille. Monument historique.
Titularorganist: Quentin Guérillot
Vorgänger: u. a. Henri Libert, Henri Heurtel, Pierre Pincemaille

I. Positif C–f3 (54 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Flageolet . . . . . . . . . . . . . 2′
Nasard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Piccolo . . . . . . . . . . . . . . . 1′
Fourniture IV
Cymbale IV
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Cromorne . . . . . . . . . . . . 8′
Hautbois . . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

II. Grand-Orgue C–f3 (54 Tasten)
(sur appel machine Barker)
Montre [ab c°] . . . . . . . . 32′
Montre . . . . . . . . . . . . . . 16′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Viole . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte traversière . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte à pavillon (D) . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Nasard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Grande fourniture III
Grande Cymbale III
Fourniture III
Cymbale III
Première Trompette . . . . 8′
Deuxième Trompette . . . 8′
Cor anglais . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . .  4′

III. Bombarde C–f3 (54 Tasten)
[Register, die auf dem 2. Manual nach Betätigung des Appel Bombarde erklingen]
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Nasard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Cornet V (D)
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Première Trompette . . . . 8′
Deuxième Trompette . . . 8′
Premier Clairon . . . . . . . . 4′
Deuxième Clairon . . . . . . 4′

IV. Récit expressif C–f3 (54 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Octavin . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

Pédale C–f1 (30 Tasten; von cis1–f1 nur als Pedalkoppel)
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . 32′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . 16′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Violoncelle . . . . . . . . . . . . 8′
Quinte . . . . . . . . . . . . 5 1/3′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Grosse tierce . . . . . . . 3 1/5′
Contre-Bombarde . . . . . 32′
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Basson . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

Acc Pos/GO, Réc/GO, Appel Anches Bomb/Pos/Péd/Réc, Appel GO, Löffeltritt Réc, Tirasse GO, Trémolo Réc