Orgeln
Paris, Église protestante unie du St-Esprit (Mutin-Cavaillé-Coll 1899 II/14)
Bau der Kirche 1863–1865 im Rahmen der zweiten großen Umgestaltungsphase von Paris unter Baron Haussmann. Zuvor nutzte die protestantische Gemeinde die hölzerne Kapelle Saint-Lazare, die aber bald zu klein geworden war. 1862 erwarb die Stadt auf Beschluss von Baron Haussmann ein Grundstück in der Rue Roquépine und beauftragte Victor Baltard, den Architekten der Halles, mit dem Neubau. Baltards ursprünglicher Entwurf wurde jedoch nicht genehmigt: Kaiserin Eugénie verlangte eine bewusst neutrale Fassade mit eher weltlichem statt religiösem Charakter. Als einziges dekoratives Element war ein dreieckiger Giebel mit einer Bibel zulässig. Der Glockenturm wurde erst zu Beginn des 20. Jhs. ergänzt (ähnlich wie derjenige Baltards bei der Kirche Notre-Dame-de-Lorette). Das Kircheninnere entspricht der reformierten Tradition: Alle dekorativen Elemente treten hinter der Verkündigung des Wortes Gottes zurück. Hervorzuheben ist insbesondere das großzügige Oberlicht.
Mutin-Cavaillé-Coll 1899 II/14
Mechanische Traktur
| 1864–1865 | Merklin-Schütze, II/10 Bau |
| 1899–1909 | Mutin-Cavaillé-Coll, vollständiger Umbau auf II/14 (12) |
| 1972 | Danion-Gonzalez, Überholung mit geringfügigen Intonationsänderungen |
| 2024–2025 | Quentin Requier, Restaurierung auf Originalzustand |
1864–1865 errichtete Merklin-Schütze die Orgel (II/10), die zu Weihnachten 1865 eingeweiht wurde. Sie besaß ursprünglich ein kurzes, nur angehängtes Pedal; die Empore war zunächst nur so breit wie das Gehäuse.
1899/1911 wurde die Empore durch seitliche, schräge Anbauten für Chorsänger erweitert. Grundlegender Umbau der Orgel durch Mutin unter Wiederverwendung mehrerer Originalelemente (Prospekt, Gebläse, ein Teil der Pfeifen und Windlade des Hauptwerks), Erweiterung auf den damals äußerst seltenen Umfang von 32 (Pedal) bzw. 56 Tasten (Manuale); trotz Emporenerweiterung blieb die Choraufstellung problematisch, daher wurde der Spieltisch in den ausgehöhlten Sockelbereich unter der Orgel zurückversetzt.
1971 relativ respektvolle Restaurierung durch Danion-Gonzalez.
2024–2025 umfassende Restaurierung, insbes. der Windladen der GO, Reinigung, Stimmung; Wiederherstellung des Originalzustands. Das Instrument zeichnet sich durch die hohe Qualität der verwendeten Materialien und eine außergewöhnliche klangliche Homogenität sowie hochwertige Pfeifen aus.
Titularorganist: Kurt Lueders
Vorgänger: Wadia Sabra, Albert Doyen, Joseph Bizet, Georges Lartigau, Jean-Dominique Pasquet
I. Grand-Orgue C–g3 (56 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Salicional . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
II. Récit expressif C–g3 (56 Tasten)
Cor de nuit . . . . . . . . . . . 8′
Viole de gambe . . . . . . . . 8′
Voix céleste . . . . . . . . . . . 8′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Basson-Hautbois . . . . . . 8′
Pédale C–g1 (32 Tasten)
Soubasse . . . . . . . . . . . . 16′ [von GO Bourdon 16′]
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′ [von GO Flûte harm. 8′]
Acc. Réc/GO, Appel/Renvoi Prestant (Wechselmechanismus), Appel/Renvoi Trompette, Schwelltritt Réc, Tirasses GO + Réc, Trémolo
