Orgeln

Paris, St-Gervais & St-Protais (François-Henri Clicquot 1768 V/41)

Eine der ältesten Pfarreien von Paris, deren Ursprünge vermutlich bis ins 4. Jh. zurückreichen. Der heutige Bau entstand ab 1494 im gotischen Stil und wurde 1621 mit der dreigeschossigen Fassade vollendet, die die drei klassischen Säulenordnungen – dorisch, ionisch und korinthisch – vereint. Als erstes bedeutendes Beispiel des style classique in Paris kündigt sie bereits den sich rasch entwickelnden Barockstil an. Heute ist die Kirche das Mutterhaus der Mönchsgemeinschaft von Jerusalem.
Dreischiffige Anlage mit Seitenkapellen, zahlreichen Glasfenstern vom 16. bis 21. Jh. sowie einem Chorgestühl aus dem 16. Jh. Die Kirche wurde mehrfach restauriert, darunter 1919/20 nach dem Einschlag einer Granate während eines Gottesdienstes im Jahr 1918, bei dem rund 100 Menschen ums Leben kamen; weitere Restaurierungen erfolgten 2000 und 2013; Monument historique.

François-Henri Clicquot 1768 V/41

Mechanische Spiel-/Registertraktur

1414Beleg für eine Orgel
1603Matthijs Langhedul II/21, Bau (kurze Oktave im Pedal)
1628Pierre Pescheur, Umbauten (u. a. Pedalumfang an die Manuale angepasst, Manualkoppel)
1649/59Pierre Thierry, Umbauten (u. a. Echo-Werk, auf Wunsch von Louis Couperin abschaltbare Pedalkoppel als große Neuerung)
1676–1685Alexandre Thierry, Überarbeitungen (u. a. Tonumfang nun 51 Tasten)
1714François Thierry, Umbauten
1758–1768Louis Bessart & François-Henri Clicquot, Bau
1811Pierre-François Dallery, Erneuerung
1843/58Louis-Paul Dallery, 1843/54: Arbeit an einzelnen Registern
1909Joseph Gutschenritter, Erneuerung
1923Louis Béasse, Restaurierung
1949/67Louis-Eugène Rochesson, Restaurierung
1968/74Gonzalez (Leitung: Georges Danion), Restaurierung
2000Muhleisen, Überholung

Diese Orgel ist ein außergewöhnliches Instrument: Sie zählt zu den ältesten Orgeln von Paris, ist nahezu vollständig in ihrem historischen Zustand erhalten und gilt als die Orgel der Familie Couperin. Sie wurde 1766–1768 von François-Henri Clicquot erbaut; er übernahm Teile der Vorgängerorgel. Da sich die damaligen Pfarrer und Titularorganisten des hohen historischen und materiellen Wertes bewusst waren, blieb das Instrument im 19. und 20. Jh. weitgehend unverändert. Erneuerung und kleinere Arbeiten 1811/1854, Restaurierungen 1920–1924 und 1967–1973.
Die meisten der 41 Register sind historisch, was für eine Pariser Orgel außergewöhnlich ist: 17 Register aus dem 17. Jh., 15 aus dem 18. Jh., 5 wurden 1974 neu gebaut. Auch die gesamte Gebläseanlage ist original erhalten. Die Orgel ist untrennbar mit der Familie Couperin verbunden, deren Mitglieder von 1653 bis 1826 über vier Generationen hinweg als Titularorganisten tätig waren. Das Couperin-Haus mit Gedenktafel befindet sich noch heute an einer Seite der Kirche. Nach dem Ende der Couperin-Dynastie wurde Alexandre-Pierre-François Boëly Titularorganist. Spielnische; 5 Manuale zu je 51 Tasten, 1759 von Clicquot gefertigt; Pos/GO-Koppel über zwei für Clicquot typische Eisenhebel, permanente Bombarde-/GO-Koppel; Pedal à l’allemande mit 30 Tasten (Béasse, 1923), das originale Pedal à la française von Clicquot ist jedoch erhalten und befindet sich heute auf der Empore; keine Tirasse; Windladen aus dem 17./18. Jh; Koppeln: I/II (Ziehregister), III/II; Stimmton a1 = 410 Hz; gleichstufige Stimmung.
Titularorganisten: Aude Heurtematte, Nicolas Bucher, Gaétan Jarry

I. Positif de dos C–d3 (51 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Larigot . . . . . . . . . . . . 1 1/3′
Plein-Jeu V
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Cromorne . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

II. Grand-Orgue C–d3 (51 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . 16′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte (D) . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Quarte de Nazard . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Grand Cornet V (D)
Grosse fourniture II
Fourniture III
Cymbale IV
1ère Trompette . . . . . . . . . 8′
2ème Trompette . . . . . . . . 8′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

III. Bombarde C–d3 (51 Tasten)
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′

IV. Récit g°–d3 (32 Tasten)
Cornet V
Hautbois . . . . . . . . . . . . . 8′

V. Echo c1–d3 (27 Tasten)
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′

Pédale
C–d1 (27 Tasten)
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . 16′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 4′
A1–d1 (30 Tasten)
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

Schiebekoppel Pos/GO, Tremblant fort