Orgeln
Paris, Notre-Dame de Paris (Cavaillé-Coll 1868/1894 V/131)
Notre-Dame de Paris, eine der bekanntesten gotischen Kathedralen Europas, auf der Île de la Cité, röm-kath. Bischofssitz, Bau 1163 begonnen, erst 1345 fertiggestellt, besonders charakteristisch: die großen Rosettenfenster, die kunstvollen Strebebögen und die beiden symmetrischen, 69 m hohen Westtürme aus Natursteinen; Kirchenschiff im Innern 130 m lang, 48 m breit, 35 m hoch, Platz für bis zu 10.000 Menschen; im Innern hohe Gewölbe, kunstvolle Glasfenster und zahlreiche religiöse Kunstwerke. Der schlanke, hölzerne Vierungsturm, der nach dem Brand von 2019 nach dem Vorbild des im 19. Jh. errichteten Dachreiters rekonstruiert wurde, ist 93 m hoch.
Eines der bedeutendsten historischen Monumente Frankreichs, seit dem Mittelalter immer wieder Schauplatz wichtiger geschichtlicher Ereignisse, etwa bei Krönungen und nationalen Feierlichkeiten. Während der Französischen Revolution zeitweise Tempel der Vernunft; danach 1804 Kaiserkrönung Napoléons I., großes öffentliches Interesse seit Victor Hugos Roman Der Glöckner von Notre-Dame 1831, der zum Großteil in der Kathedrale spielt; Restaurierung unter dem Architekten Eugène Viollet-le-Duc, heutiges Erscheinungsbild; beim Dachstuhlbrand 2019 schwere Schäden, nach 5jähriger Restaurierung 2024 Wiedereröffnung, seit 2025 wieder Öffnung der Türme und des Dachs als Aussichtsplattform für Besucher, seit 1905 (Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche) Staatseigentum.
Cavaillé-Coll 1868/1894 V/131
| ca. 1330 | vermutlich Jean (de) Bruges, Bau 1. Orgel |
| 1401–1403 | Frédéric Schambantz, Bau 2. Orgel |
| 1415 | Jean Chabancel, Erneuerung |
| 1458 | Jean Bourdon, Erneuerung |
| 1473 | Jean Robelin, größere Restaurierung |
| 1536–1540 | Pasquier Baullery, Restaurierung |
| 1564 | Nicolas Dabenet, Erneuerung |
| 1609 | Valéran de Héman, Umbau |
| 1646 | Pierre Thierry, Umbau |
| 1672 | Jacques Carouge, Umbau |
| 1691 | Alexandre Thierry (Neffe von Pierre Thierry), Überholung, Wartung |
| 1730–1733 | François Thierry (Neffe von Alexandre Thierry), Neubau, 3. Orgel |
| 1783–1788 | François-Henri Clicquot, Restaurierung, Umbau |
| 1812 | Pierre-François Dallery, Erneuerung |
| 1833 | Louis-Paul Dallery, Überholung |
| 1863–1868 | Cavaillé-Coll, Neubau, 4. Orgel |
| 1902–1904 | Mutin-Cavaillé-Coll, Überholung |
| 1932 | Joseph Beuchet, Umbau |
| 1959–1972 | Jean Hermann/Robert Boisseau, Umbauten |
| 1990–1992 | Boisseau/Cattiaux/Émeriau/Giroud, Restaurierung |
| 2012–2014 | Cattiaux/Quoirin, Restaurierung |
| 2020–2024 | Manufacture languedocienne de Grandes Orgues/Ateliers Quoirin/Cattiaux, Olivier Chevron Nachfolger, Restaurierung |
1357 erste Erwähnung einer gotischen Schwalbennestorgel im Triforium nahe dem Querhaus (wohl aus dem 13. Jh.); das Instrument soll bereits baufällig gewesen sein und wurde 1425, einige Jahre nach Fertigstellung der zweiten Orgel, abgebaut.
1403 Frédéric Schambantz auf der Westempore neue gotische Orgel (die ältere Schwalbennestorgel wurde zunächst weiterverwendet) mit einem 8- bis 18fachem Blockwerk; eine Zeichnung ist erhalten. 1473 erfolgte eine größere Reparatur, bei der eine Pfeifenreihe ersetzt wurde. 1529 neue Windladen, Ersetzung der mittelalterlichen pythagoreischen durch eine mitteltönige Stimmung, 1564 u. a. Erweiterung des Tonumfangs bis C.
1606–1672: schrittweiser Ausbau: 1609 Rückpositiv (II. Man.) mit Springladen u. 13 neue Reg., 1620 auf Wunsch des Titularorganisten Charles Racquet Oberwerk (III. Man.) u. 6 neue Reg., 1672 Echowerk (IV. Man.) und selbständiges Pedal (nun 33 Tasten); gotisches Blockwerk erst 1730 ersetzt; neben diesem verfügte die Orgel zuletzt über 37 Reg. auf IV Man.; heute noch 12 Pfeifen der mittelalterlichen Orgel erhalten
1733 François Thierry Neubau mit dem bis heute erhaltenen Orgelprospekt, während das Rückpositivgehäuse von 1609 beibehalten wurde. Unter Wiederverwendung des alten Pfeifenwerks entstand eine klassisch-französische Orgel (47/V) mit GO, Rückpositiv, Récit, Echo und Bombarde-Manual. 1783 neues Gehäuse mit 16′ Höhe, Erneuerung der Pfeifen des Rückpositivs und zahlreicher Reg. der GO und Péd. Die Orgel überstand die Frz. Revolution fast unbeschadet. 1812 wurde ihr Zustand jedoch als besorgniserregend eingestuft; 1833 neue Windladen, neue Mechanik, Manualumfang nun bis c4, neue Reg., schlechter Zustand, Wartung durch Cavaillé-Coll
1868 Neubau Aristide Cavaillé-Coll: Gegen die Konkurrenz von Dallery und Merklin-Schütze setzte er sich durch geschickte Lobbyarbeit durch, wandte sich an den Kultusminister Viollet-le-Duc und den Pariser Erzbischof und verwies auf die hohe Qualität seiner Orgeln (etwa in St-Sulpice 1862) sowie auf den Protektionismus der belgischen Regierung gegenüber frz. Orgelbauern: nun sollten auch in Frankreich bevorzugt frz. Orgelbauer beauftragt werden. Außerdem erhielt er 1862 die Unterstützung zahlreicher Künstler (u. a. Rossini, Auber, Berlioz, Widor, Pauline Viardot, Widor, Lefébure-Wely); dann erhielt er den Zuschlag; 1863–1868 Bau der neuen Orgel (V/86) unter Wiederverwendung von 30 älteren Registern, außerdem Vergrößerung der Empore, Barkerhebel für GO und Registerzüge, ein „symphonisches Windsystem“ mit unterschiedlichen Winddrücken sowie ein neuer Spieltisch. Die Einweihung 1868 gestalteten u. a. Franck, Saint-Saëns, Guilmant und Widor.
1904 Überholung durch Mutin; auf Wunsch von Vierne, dem Titularorganisten, mehrere Änderungen, neue Register.
1932 Umbau, auf Wunsch von Vierne Änderung der Manualanordnung
(Verbesserung des Spielkomforts), neue Register in Péd/Grand Chœur/Réc, Veränderung der Winddrücke, was zu Neuintonation und Verlust der ursprünglichen Klangästhetik Cavaillé-Colls führte.
Ab 1959 Elektrifizierung von Spiel- und Registertraktur, neuer Spieltisch (derjenige von Cavaillé-Coll blieb erhalten), neobarocke Umintonation, Ergänzung eines Kleinpedals, neue Plena-Zusammenstellungen sowie ein neues frz. Récit, „Universalorgel“ (V/107).
1992 grundlegende Überholung: u. a. Erneuerung der elektrischen Traktur mit neuester Technologie, Wiederherstellung der versch. Winddrücke („symphonisches Windsystem“), Rekonstruktion der Plena von GO/Pos nach Cavaillé-Coll, Wiederherstellung und Intonation des Pfeifenwerks, nun V/110.
2014 umfassende Restaurierung/Erweiterung mit neuem Spieltisch, neuem Teilwerk („Résonance [flottante] expressive“, d. h. ein schwellbares Werk, das keinem festen Manual dauerhaft zugeordnet ist, sondern über die elektrische Anlage von verschiedenen Manualen bzw. Pedal aus gespielt werden kann), nun 115 Register.
2019 Schäden nach dem Großbrand und Restaurierung bis 2024. Hauptorgel durch Ruß, Staub und stellenweise Löschwasser betroffen, ansonsten unbeschädigt, keine große Erhitzung des Inneren, max. 17 °C, jedoch setzte sich viel Bleistaub in und auf dem Instrument ab, 2020–2024 Restaurierung: mit Ausnahme des Gehäuses und einiger großer 32′-Pfeifen, die vor Ort behandelt wurden, vollständige Demontage und Transport in Werkstätten von Quoirin/Cattiaux-Chevron/Manufacture languedocienne de Grandes Orgues, dort Reinigung, Befreiung von Bleistaub, Erneuerung von geschädigten Teilen bzw. 1992 letztmalig erneuerten Teilen; Dez. 2024: Orgel mit der Disposition von 2014 wieder eingeweiht. Olivier Latry wies darauf hin, dass sich die Akustik der Kirche, speziell der Nachhall, nun nach dem Brand verändert habe.
Titulaires (Hauptorgel, Auswahl): Charles Racquet, Louis-Claude Daquin, Armand-Louis Couperin, Claude Balbastre, Nicolas Séjan, Félix Danjou, Louis Vierne, Pierre Cochereau, Jean-Pierre Leguay, Philippe Lefebvre, Olivier Latry (seit 1985), Vincent Dubois (seit 2016), Thierry Escaich (seit 2024)
I. Grand-Orgue C–g3 (56 Tasten)
Violonbasse . . . . . . . . . . 16′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Viole de gambe . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Octave . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Fourniture harmonique II-V
Cymbale harmonique II-V
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Trompette en chamade . 8′
Clairon en chamade . . . . 4′
Cornet V (D)
II. Positif C–g3 (56 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . 16′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Salicional . . . . . . . . . . . . . 8′
Unda Maris . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte douce . . . . . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Fourniture V
Cymbale V
Clarinette basse . . . . . . 16′
Cromorne . . . . . . . . . . . . 8′
Clarinette . . . . . . . . . . . . . 4′
III. Récit expressif C–g3 (56 Tasten)
Quintaton . . . . . . . . . . . 16′
Diapason . . . . . . . . . . . . . 8′
Viole de gambe . . . . . . . . 8′
Voix céleste . . . . . . . . . . . 8′
Flûte traversière . . . . . . . 8′
Bourdon céleste . . . . . . . 8′
Octave . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Quinte . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Octavin . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Basson-Hautbois . . . . . . . 8′
Clarinette . . . . . . . . . . . . . 8′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Cornet V (D)
Hautbois (D) . . . . . . . . . . . 8′
Trompette en chamade . 8′ (B)
Trompette en chamade . 8′ (D)
Clairon en chamade . . . . 4′
Régale . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Trompette en chamade . 8′ (B)
Trompette en chamade . 8′ (D)
Clairon en chamade . . . . 4′
IV. Solo C–g3 (56 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 32′
Principal . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Grande Quinte . . . . . 5 1/3′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Grosse tierce . . . . . . . 3 1/5′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Septième . . . . . . . . . . 2 2/7′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Cornet II-V
Grande Fourniture II
Fourniture V
Cymbale V
Cromorne . . . . . . . . . . . . 8′
Trompette en chamade . 8′
Clairon en chamade . . . . 4′
Hautbois . . . . . . . . . . . . . 8′ (D)
Cornet V (D)
V. Grand-Chœur C–g3 (56 Tasten)
Principal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Larigot . . . . . . . . . . . . 1 1/3′
Septième . . . . . . . . . . 1 1/7′
Piccolo . . . . . . . . . . . . . . . 1′
Cornet V
Plein-Jeu III-V
Tuba magna . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Résonance expressive
Kann jedem Manual und dem Pedal frei zugeteilt werden
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Neuvième . . . . . . . . . 3 5/9′
Grosse tierce . . . . . . . 3 1/5′
Onzième . . . . . . . . . 2 10/11′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Larigot . . . . . . . . . . . . 1 1/3′
Flageolet . . . . . . . . . . . . . 1′
Fourniture III
Cymbale III
Basson . . . . . . . . . . . . . . 16′
Basson . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
Chimes
Pédale C–g1 (32 Tasten)
Principal basse . . . . . . . 32′
Contrebasse . . . . . . . . . 16′
Soubasse . . . . . . . . . . . . 16′
Grosse Quinte . . . . . 10 2/3′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Violoncelle . . . . . . . . . . . . 8′
Grande tierce . . . . . . 6 2/5′
Quinte . . . . . . . . . . . . 5 1/3′
Septième . . . . . . . . . . 4 4/7′
Octave . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Contre-Bombarde . . . . . 32′
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Basson . . . . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Basson . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Trompette en chamade . 8′
Clairon en chamade . . . . 4′
Trompette en chamade . 8′
Clairon en chamade . . . . 4′
Régale . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Acc. GC/GO, GC/GO 16, GC/Pos, Pos/GO, Pos/GO 16, Réc/GO, Réc/GO 16, Réc/GO 4, Réc/Pos, Réc/Pos 16, Réc/Pos 4, Rés/GO, Rés/Pos, Solo/GO, Solo/Pos, Annulateur (Äquallage-Absteller für alle Manuale), Combinateur, Coupure Pédale, Crescendo général, Schwelltritt Réc, Octaves aiguës GO/Pos/Réc/Solo, Octaves graves GC/GO/Pos/Réc/ Solo, Sostenuto, Séquenceur, Tirasses 4 GO + Pos + Réc, Tirasses GC + GO + Pos + Réc + Rés + Solo, Tremblant Rés., Trémolo Réc.
50.000 Setzerkombinationen (zu je 5000 Gruppen), Replay-System

