Orgeln

Paris, St-Thomas d’Aquin (Clicquot / Cavaillé-Coll 1856-63 / Schwenkedel 1971 IV/49

1683 als Klosterkirche St-Dominique für das Dominikanerkloster erbaut, wurde das Gebäude während der Französischen Revolution beschlagnahmt und 1791 in die Pfarrkirche St-Thomas-d’Aquin umgewandelt. Die klassizistische Innenausstattung ist vom italienischen Barock inspiriert; die Fassade entstand 1766.

Clicquot / Cavaillé-Coll 1856-63 / Schwenkedel 1971 IV/49

mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur

1773François-Henri Clicquot
1802Pierre-François Dallery, Restaurierung
1842Louis-Paul Dallery, Überholung
1856–1863Cavaillé-Coll, Umbau
1912Joseph Merklin, Überholung
1968–1971Kurt Schwenkedel, Umbau
1992Marc Hédelin, Aufstellung
1994–97Ernest Muhleisen, Jean-Christophe Debély, Überholung

Das Gehäuse der Orgel wurde 1769 von François-Charles Butteux geschaffen; 1771–73 Bau von François-Henri Clicquot und Orgelabnahme u. a. von Claude Balbastre und Dom Bédos. Nach der Frz. Revolution wurde die Orgel 1795 abgebaut und in die ehemalige Kirche Ste-Geneviève (das spätere Panthéon) versetzt; 1802 erfolgte der Wiederaufbau in St-Thomas-d’Aquin durch Pierre-François Dallery. 1842 war die Orgel in schlechtem Zustand; die Arbeiten von Louis-Paul Dallery überzeugten jedoch weder den Kirchenvorstand noch den Organisten. Daher erhielt Cavaillé-Coll den Auftrag zu einem umfassenden Umbau (1856–1863). Er entfernte dabei das Positiv sowie fast alle Clicquot-Register und versetzte den Hauptprospekt um 1 m nach hinten. Nach einer Überholung durch Merklin 1912 gab es bis in die 1960er Jahre keine größeren Eingriffe mehr, das Instrument wurde jedoch zunehmend schwer spielbar. 1968–1971 rekonstruierte der elsässische Orgelbauer Schwenkedel die Orgel im frz-deutschen neoklassischen Stil. Dabei integrierte er die erhaltenen Register Clicquots wieder, behielt die Voix-Humaine von Cavaillé-Coll bei, versetzte den Hauptprospekt an seine ursprüngliche Position und rekonstruierte das Rückpositiv. Das Instrument wurde auf 4 Manuale und Pedal erweitert; ein Großteil der historischen Pfeifen konnte wiederverwendet und neu intoniert werden; der Spieltisch kehrt an seinen ursprünglichen Standort als eingebauter Spieltisch zurück.
1994–97 Überholung, Einbau eines Setzers, Überarbeitung der Mechanik, neuer Spieltisch, Neuintonation, ohne den Charakter der Schwenkedel-Orgel zu verfälschen.
Die Pfeifen stammen größtenteils von Cavaillé-Coll und wurden beim Umbau 1968–71 überarbeitet und neu intoniert; drei Register von François-Henri Clicquot sind noch erhalten. Diese Orgel gilt als herausragendes Beispiel des elsässischen neoklassischen Orgelbaus, der den klassisch-frz. Stil mit den damals äußerst beliebten nord- und mitteleuropäischen Klangidealen des 20. Jhs. verbindet.
Titularorganisten: Jean-Marc Leblanc, Vincent Genvrin
Vorgänger: u. a. Alexis Chauvet

I. Positif de dos C–g3 (56 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte à cheminée . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Larigot . . . . . . . . . . . . 1 1/3′
Plein-Jeu IV-V
Cromorne . . . . . . . . . . . . 8′

II. Grand-Orgue C–g3 (56 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Doublette . . . . . . . . . . . .  2′
Cornet V (D)
Fourniture IV
Cymbale III-IV
Cymbale-Tierce III
Douçaine . . . . . . . . . . . . 16′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′

III. Solo C–g3 (56 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Flûte à fuseau . . . . . . . . . 8′
Flûte conique . . . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Quarte . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Sifflet . . . . . . . . . . . . . . . . 1′
Fourniture III
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

IV. Récit expressif C–g3 (56 Tasten)
Flûte conique bouchée .  8′
Dulciane . . . . . . . . . . . . . . 8′
Gemshorn . . . . . . . . . . . . 4′
Quarte . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 1′
Sesquialtera II
Cymbale II
Ranquette . . . . . . . . . . . 16′
Chalumeau . . . . . . . . . . . 8′

Pédale C–g1 (32 Tasten)
Principal . . . . . . . . . . . . . 16′
Soubasse . . . . . . . . . . . . 16′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 4′
Nachthorn . . . . . . . . . . . . 2′
Mixture III
Posaune . . . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

Acc Pos/GO, Réc/GO, Solo/GO, Appel Anches Solo/Péd, Appel Mixtures GO/Pos, Combinateur, Schwelltritt Réc, Tirasses GO/Pos/Réc/Solo, Tremblant GO/Pos/Réc, Tutti