Orgeln
Meudon, Privatauditorium von Marcel Dupré (Cavaillé-Coll 1899 IV/34)
Marcel-Dupré-Saal: Dieser kleine Saal befindet sich in Meudon in der 1860 erbauten Villa von Marcel Dupré, in der er, unweit von Guilmants Haus am Boulevard Anatole France 40, von 1925–1971 lebte. 1926 kaufte Dupré Guilmants Hausorgel und ließ hierfür einen Musiksaal anbauen. Der neugotische Prospekt wurde vom Liller Architekten Buisine entworfen. Der mit Buntglasfenstern des 19. Jhs. geschmückte Saal diente Dupré für private Konzerte und entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit zu einem Mekka der Musik. Das Haus wurde 1979 von einem pensionierten Apotheker erworben, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, dieses Instrument mit Unterstützung von Jean-Claude Mérouze zu pflegen. Das ganze Jahr über finden dort regelmäßig Konzerte statt.
Cavaillé-Coll 1899 IV/34
Mechanische Spieltraktur, elektropneumatische Registertraktur
| 1899 | Cavaillé-Coll, III/28, Bau als Hausorgel von Alexandre Guilmant in seinem Haus (heute abgerissen) an der heutigen Adresse 2 rue Alexandre Guilmant in Meudon. |
| 1926 | Umzug: Marcel Dupré kauft die Orgel von den Erben Alexandre Guilmants und lässt sie sich von Charles Mutin, nur wenige Straßen entfernt, im Konzertsaal seines Hauses aufstellen. |
| 1934 | Joseph Beuchet (Enkel von Louis Debierre und einer der Direktoren des Hauses Cavaillé-Coll), Restaurierung und Erweiterung nach Duprés Konzeption |
| 1991 | Einstufung als Monument historique. |
1899 ließ Guilmant von der Orgelbauwerkstatt Mutin-Cavaillé-Coll eine Hausorgel errichten; 1926 gelangte sie in den Besitz von Marcel Dupré, der sie in seinen eigens dafür errichteten Orgelsaal in der nur wenige Meter von Guilmants Villa entfernten eigenen Villa in Meudon versetzen ließ. 1934 wurde die Orgel nach Duprés Plänen elektrifiziert und erweitert, u. a. um einen neuen viermanualigen Spieltisch mit ungewöhnlichen Spielhilfen, zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten, erweiterten Koppeln und einer damals sehr fortschrittlichen Setzeranlage. Dupré experimentierte bewusst mit technischen Lösungen, die auf Konzertorgeln noch selten waren. Zu Guilmants Lebzeiten war der originale dreimanualige Spieltisch – wie für die Orgeln dieser Zeit typisch – mit Blick in den Saal aufgestellt und die Trakturen mechanisch.
Das Instrument verfügte ursprünglich über drei Manuale mit 28 Registern; 1932 wurde ein Solo expressif mit sechs Registern hinzugefügt. Die Registertraktur wurde auf ein elektromechanisches System umgestellt, um die von Dupré konzipierten frei kombinierbaren Registrierungen mit Sostenuto zu ermöglichen. Der Tonumfang aller Manuale wurde von zunächst 61 Tasten (C–c4) um eine Oktave erweitert, sodass jedes Manual nun 6 Oktaven (C–c5) umfasst, was für Pfeifenorgeln jener Zeit sehr ungewöhnlich war. Dupré wollte dadurch Klavierliteratur und Transkriptionen besser realisieren sowie größere klangliche Freiheit gewinnen. Die Registerwippen und Kombinationstasten verleihen dem Instrument einen modernistischen, für die damalige Zeit fast futuristischen Charakter. Orgelpfeifen größtenteils von Mutin; Erweiterungen im Diskantbereich sowie Pfeifen des Solos von Cavaillé-Coll (1932); zahlreiche Kombinationshebel, Piano- und Forte-Appel GO, Barker-Traktur für GO; Stimmton 440 Hz.
I. Grand-Orgue C–c5 (73 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Salicional . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
II. Positif expressif C–c5 (73 Tasten)
Quintaton . . . . . . . . . . . 16′
Principal . . . . . . . . . . . . . 8′
Cor de nuit . . . . . . . . . . . 8′
Flûte douce . . . . . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Quarte de Nazard . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Clarinette . . . . . . . . . . . . . 8′
III. Récit expressif C–c5 (73 Tasten)
Diapason . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Dulciane . . . . . . . . . . . . . . 8′
Voix céleste . . . . . . . . . . . 8′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Plein-Jeu III
Trompette harmonique . 8′
Basson-Hautbois . . . . . . . 8′
IV. Solo expressif C–c5 (73 Tasten)
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Gambe . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Voix céleste . . . . . . . . . . . 8′
Basson . . . . . . . . . . . . 8–16′
Basson-Hautbois . . . . . . 8′
Clarinette . . . . . . . . . . . . . 8′
Pédale C–g1 (32 Tasten)
Contrebasse . . . . . . . . . 16′
Soubasse . . . . . . . . . . . . 16′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Violoncelle . . . . . . . . . . . . 8′
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Acc. Pos/GO 16 + 8 + 4, Réc/GO 16 + 8 + 4, Réc/Pos 16 + 8 + 4, Solo/GO 16 + 8 + 4, Solo/Pos 16 + 8 + 4, Solo/Réc 16 + 8 + 4, Annulateur 8 GO/Pos/Réc, Appel Anches Péd/Réc, Coupure Pédale, Crescendo général, Schwelltritte Pos./Réc/Solo, Fonds 8-4, Octaves aiguës GO/Pos/Péd/Réc/Solo, Octaves graves GO/Pos/Réc/Solo, Sostenuto, Tirasses 4 GO + Pos + Réc + Solo, Tirasses GO + Pos + Réc + Solo, Trémolo Pos/Réc/Solo, Tutti


