Orgeln
Paris, Oratoire du Louvre (Danion-Gonzalez 1962 III/67)
Grundsteinlegung 1621, Oratoire Royal (Königliche Grabkapelle): Trauerfeiern für Richelieu, Louis XIII., Königinnen Anne d’Autriche und Marie-Thérèse. Das reich verzierte Oratoire Royal besaß einen sehr imposanten Baldachin-Hochaltar; Gebäude und Innenausstattung wurden 1748 vollendet, die Einweihung erfolgte 1750 nach 130 Jahren Bauzeit. Aufgrund des Freiheitsgeistes der Kongregation des Oratoires wurde die Revolution zunächst positiv aufgenommen, doch 1792 wurde die Kongregation durch revolutionäre Gewalt aufgelöst; 1793 wurde das Gebäude verwüstet und geplündert, Grabmäler und Ausstattung zerstört oder verkauft. Das Oratoire diente anschließend als Konferenzsaal, Studienraum und Lager für Theaterkulissen. Mit dem Konkordat und Napoléon I. begann im 19. Jh. ein Neubeginn; 1811 stellte Kaiser Napoléon der reformierten Kirche das Gebäude zur Verfügung, die endgültige Zuweisung erfolgte jedoch erst 1844. Im 20. Jh. entwickelte sich das Oratoire zu einer Hochburg des frz. Protestantismus, seitdem intensive musikalische Tätigkeit unter Mitwirkung zahlreicher Pastoren, Künstler, Organisten und des Chors.
Danion-Gonzalez 1962 III/67
Elektrische Übertragung
| 1828 | Callinet-Somer, Neubau (III/26, 10 Zungenregister), Gehäuse im Empire-Stil |
| 1898 | Merklin, Umbau (II/32) |
| 1957–1962 | Danion-Gonzalez, Neubau und Einweihung |
| 1987 | Jean-Marc Cicchéro, Überholung |
| 2012/2014 | Bernard Dargassies, Modernisierung (elektrische Übertragung, elektronischer Setzer, Sequenzer und Transponierfunktion) |
Über die Orgeln vor der Revolution ist nichts Näheres bekannt. Die Kirche des Oratoires, damals königliche Pfarrkirche, besaß jedoch vermutlich ein hochwertiges Instrument. Nach der Zuweisung durch Napoléon an die reformierte Kirche im Jahr 1811 erhielt sie die ehemalige Orgel von St-Louis-du-Louvre, gestiftet von Louis Féline (Mitglied des reformierten Presbyteriums). Diese erwies sich jedoch bald als unzureichend für die Begleitung des Psalmengesangs und wurde 1835 an die reformierte Gemeinde in Nantes abgegeben.
1828 erste Orgel von Louis Callinet und Jean Antoine Somer (III/26, 10 Zungenregister), sie wurde in einem von Hippolyte Godde entworfenen Gehäuse im Empire-Stil untergebracht.
1845 entstand auf Initiative des Titularorganisten E. Meumann der Plan eines größeren Instruments (56 Register, auf 32′-Basis), das besser zur Begleitung des protestantischen Gottesdienstes geeignet sein sollte. 1852 erfolgte eine Überholung durch Cavaillé-Coll.
1898 wurde die Orgel durch Merklin umfassend umgebaut (Erweiterung auf 32 Register, neuer Spieltisch, pneumatische Traktur). 1957–1962 erfolgte ein Neubau durch Gonzalez, nach dessen Tod durch seinen Schwiegersohn Georges Danion auf einer erweiterten Empore nach Empfehlungen einer Fachkommission (u. a. Norbert Dufourcq, Marcel Dupré, Alexandre Cellier); 1962 die Einweihung (mit Dupré, Cellier, den Co-Titularorganistinnen Henriette Puig-Roget und Marie-Louise Girod-Parrot, beide ehemalige Schülerinnen Duprés). Dabei entstand eine neoklassische Orgel ohne Gehäuse mit elektropneumatischer Traktur. 32 ältere Register wurden integriert und neu intoniert, die Disposition entwarf Norbert Dufourcq; Rückpositiv aus Platzgründen in zwei Teile rechts und links der Empore aufgeteilt, daher nur eine elektropneumatische Übertragung möglich; eine Seite davon ist schwellbar (u. a. Bourdon, Flûte, Cornet, Cromorne), die andere nicht (Principals, Pleins-Jeux, Zungen).
Die Orgelanlage verteilt sich auf den Hauptprospekt auf der Empore (mit Récit darüber und Pedal seitlich) sowie zwei Seitenprospekten für das Positiv. Etwa die Hälfte des Pfeifenbestandes machen die Register von Merklin aus, die perfekt zur symphonischen Klangästhetik des Instruments passen.
Titularorganistin: Sarah Kim
Assistenten: Alexandre Korovitch, Aurélien Peter
Vorgänger: Henriette Puig-Roget, Marie-Louise Girod
I. Grand-Orgue C–c4 (61 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . 16′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Salicional . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte douce . . . . . . . . . . . 4′
Quinte ouverte . . . . . 2 2/3'
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Fourniture IV
Cymbale III
Cornet V
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Clarinette . . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
II. Positif C–c4 (61 Tasten)
(doppelseitig, links als Schwellkasten, * = expressif)
Diapason . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte creuse* . . . . . . . . . 8′
Cor de nuit* . . . . . . . . . . 8′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 4′
Gemshorn* . . . . . . . . . . . 4′
Nasard* . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Quarte de nasard* . . . . . 2′
Tierce* . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Larigot* . . . . . . . . . . . 1 1/3′
Piccolo* . . . . . . . . . . . . . . 1′
Fourniture III
Cymbale II
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Cromorne* . . . . . . . . . . . 8′
Soprano . . . . . . . . . . . . . . 4'
III. Récit expressif C–c4 (61 Tasten)
Quintaton . . . . . . . . . . . 16′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Gemshorn . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte à fuseau . . . . . . . . . 8′
Voix céleste . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte ouverte . . . . . . . . . . 4′
Nasard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Octavin . . . . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Fourniture IV
Cymbale III
Tuba . . . . . . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Basson-hautbois . . . . . . . 8′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Pédale C–g1 (32 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . 16′ [von GO Montre 8′]
Soubasse . . . . . . . . . . . . 16′
Contrebasse . . . . . . . . . 16′
Grande Quinte . . . . 10 2/3′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Octave basse . . . . . . . . . . 8′
Quinte . . . . . . . . . . . . 5 1/3′
Principal . . . . . . . . . . . . . . 4′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Choral basse . . . . . . . . . . 2′
Fourniture IV
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Basson . . . . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Basson . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′ [Erweiterung]
Basson . . . . . . . . . . . . . . . 4′ [Erweiterung]
Acc. Pos/GO, Pos/GO 16, Pos/GO 4, Réc/GO, Réc/GO 16, Réc/GO 4, Réc/Pos, Réc/Pos 16, Réc/Pos 4, Appel Anches GO/Pos/Péd/Réc, Combinateur, Coupure Pédale, Crescendo général, Schwelltritte Pos/Réc, Séquenceur, Tirasses GO + Pos + Réc, Tirasses GO + Pos + Réc 4, Transpositeur, Trémolo Réc., Tutti
340 Kombinationen, 10 Kombinationen pro Ebene
