Orgeln
Paris, St-Germain-l’Auxerrois (Clicquot / Ducroquet / Merklin 1864 III/33)
Saint-Germain-l’Auxerrois, eine bedeutende spätgotische Kirche im 1. Arr. neben dem Louvre, war die Hofkirche des ehemaligen Königspalastes (Louvre) und Grabkirche zahlreicher am Hof tätiger Künstler. Ihr neugotischer Glockenturm markiert den Ausgangspunkt der großen Pariser Westachse (Axe historique); vom älteren Turm gaben die Glocken 1572 das Signal zum Massaker der Bartholomäusnacht. Die Ursprünge der Kirche reichen bis in die Merowingerzeit zurück. Während der Frz. Revolution wurde sie zweckentfremdet, im 19. Jh. im Zuge der Neugestaltung der Place du Louvre durch Baron Haussmann restauriert. Nach dem Brand von Notre-Dame 2019 diente sie zeitweise als provisorische Bischofskirche von Paris. Heute ist sie eine aktive Pfarrkirche und zugleich Treffpunkt des Priesterseminars von Paris.
Clicquot / Ducroquet / Merklin 1864 III/33
Mechanische Traktur
| 1771 | François-Henri Clicquot, Bau in der Ste-Chapelle, Einweihung durch Louis-Claude Daquin und Bénigne Balbastre |
| 1791 | Pierre Dallery, Verlegung nach St-Germain l‘Auxerrois |
| 1838–1841 | Louis-Paul Dallery, umfassende Restaurierung IV/36 |
| 1847–1850 | Pierre-Alexandre Ducroquet (Firma Daublaine-Callinet), erhebliche Umbauten |
| 1864/81 | Joseph Merklin (Nachfolger von Ducroquet), Umbau III/35 |
| 1900 | Joseph Gutschenritter-Masset (Nachfolger Merklin), umfassende Überholung |
| 1970–1980 | Adrien Maciet, Modifikationen |
| 2008 | Laurent Plet, Überholung und Neuintonation |
Die Orgel stammt ursprünglich aus der Sainte-Chapelle. Sie wurde 1771 von François-Henri Clicquot in einem Gehäuse von Lavergne (1757, Entwurf von Pierre-Noël Rousset) unter Wiederverwendung eines Teils der Pfeifen der Vorgängerorgel gebaut . Nach der Schließung der Sainte-Chapelle wurde sie 1790 nach St-Germain-l’Auxerrois versetzt, was zahlreiche Debatten auslöste. Pierre Dallery baute das Instrument um und erweiterte es unter Einbeziehung von Teilen anderer Pariser Orgeln. Restaurierungen durch Louis-Paul Dallery (1838–41 Änderung der Disposition, neues Gebläse, Erweiterung des Pedals um 8 Töne und neue Pedalklaviatur nach deutscher Art für Alexandre-Pierre-François Boëly, der Bachs Werke spielen wollte) und Ducroquet (1847–1850 u. a. Reduktion auf 3 Manuale, neue Windladen der GO, neues Récit). Die Disposition wurde dabei dem aufkommenden romantischen Stil angepasst. 1864 Grundregister nun mit Expressions-Stimmschlitzen, die historischen Zungenregister blieben jedoch erhalten; Neubau der Pedalwindlade, Barker-Maschine für GO und Koppeln. 2008 wurden die von Maciet ergänzten Register neu intoniert, das Grand-Jeu Clicquots rekonstruiert sowie die Ergänzungen von Merklin und das Récit von Ducroquet restauriert.
Heute vereint die Orgel Elemente verschiedener Epochen. Aufgrund ihrer Herkunft aus der Sainte-Chapelle (Pfarrkirche der Könige von Frankreich), ihrer bedeutenden Substanz von Clicquot, des innovativen Gehäuses und ihrer vielschichtigen stilistischen Entwicklung zählt sie zu den bedeutendsten denkmalgeschützten Instrumenten von Paris. Eine grundlegende Restaurierung durch Jean-Baptiste Gaupillat ist vorgesehen. Aufgrund der komplexen historischen Schichtung ist die zukünftige Ausrichtung allerdings umstritten: Diskutiert werden sowohl eine Rückführung auf den Zustand Merklins (1881) als auch eine stärker klassische Konzeption. Die geplante Generalrestaurierung soll 24 Monate dauern und rund 1,14 Mio. € kosten. 21 von 33 Registern stammen aus dem 18. Jh., heutiger Spieltisch von Merklin.
Titularorganisten: Michael Matthes (titulaire), Vitor Sousa (organist suppléant)
I. Grand-Orgue C–f3 (54 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . 16′
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte harmonique . . . . . . 8′
Gambe . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Dulciane . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Cornet V [ab c1]
Plein-Jeu IV
1ère Trompette . . . . . . . . . 8′ [Bombarde]
2ème Trompette . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
II. Positif de dos C–f3 (54 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Nasard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Fourniture III
Cymbale II
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Cromorne . . . . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′
III. Récit expressif c°–f3 (42 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Gambe . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Voix céleste . . . . . . . . . . . 8′
Flûte octaviante . . . . . . . 4′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
Hautbois . . . . . . . . . . . . . 8′
Pédale C–d1 (27 Tasten)
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . 16′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Violoncelle . . . . . . . . . . . . 8′
Bombarde . . . . . . . . . . . 16′
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Acc. Pos/GO, Réc/GO, Appel GO, Réc Löffentritt, Tirasse GO + Pos, Trémolo Réc
