Orgeln

Houdan, St-Jacques & St-Christophe (Louis-Alexandre Clicquot 1739 III/21)

Im Westen der Île-de-France, im Département Yvelines (ehemals Seine-et-Oise), liegt westlich von Versailles die kleine Gemeinde Houdan (etwa 50 km westlich von Paris). Der Ort war seit jeher für seine Geflügelzucht bekannt und trug zur Versorgung der nahen Hauptstadt bei. Im 15. und 16. Jh. konnte die Pfarrgemeinde die Kirche Saint-Jacques-Saint-Christophe zu einem spätgotischen Bau erweitern, an den ein Renaissance-Chor angefügt wurde.

Louis-Alexandre Clicquot 1739 III/21

Die Clicquot-Orgel (1734–1739) ist in vielerlei Hinsicht der Traum eines Orgelrestaurators: Alle wesentlichen Bestandteile blieben erhalten, und die Orgel war 270 Jahre lang nahezu unberührt, sodass ihr ursprünglicher Charakter original erhalten und ihre klangliche und konstruktive Eigenart bewahrt geblieben ist. Sie gilt als Inbegriff der klassisch-französischen Orgel.
1734 begann Louis-Alexandre Clicquot mit dem Bau einer Orgel (III/21, Diskantmanual des Réc, angehängtes Pedal). Er gehört zur mittleren Generation jener Orgelbauerfamilie, deren Name zum Synonym für die klassisch-frz. Orgel wurde: Sein Vater Robert Clicquot (1645–1719) hatte die Orgel der Chapelle Royale in Versailles gebaut, sein Sohn François-Henri (1732–1790) wurde durch die Instrumente in Souvigny und Poitiers berühmt. Das Gehäuse war 1735 vollendet. Der Orgelbau sollte bis Ende 1736 abgeschlossen sein, verzögerte sich jedoch durch Streitigkeiten und ein Gerichtsverfahren, das Clicquot verlor, bis 1739. Die Revolution überstand die Orgel unbeschadet. Abgesehen von gelegentlichen Reinigungen, etwa durch Jean-Baptiste Boutin (1773) und Charles de Momigny (1820), blieb sie unangetastet. Eine 1873 errichtete Chororgel von Abbey (Versailles, II/12) übernahm fortan die liturgischen Aufgaben, sodass die Hauptorgel außer Gebrauch geriet und dadurch glücklicherweise weitgehend vergessen wurde; 1931 Ausbau des Instruments durch J. Bossier, da der damalige Pfarrer eine „Modernisierung“ beauftragte, doch der neue Pfarrer stoppte 1937 die Arbeiten; Gehäuse, Windladen, Keilbälge, Pfeifen etc. blieben bis 1968 ungeschützt auf der Empore liegen. 1969–1972 Restaurierung durch Robert und Jean-Loup Boisseau (Wiedereinbau der bislang ausgelagerten Teile, Rekonstruktion der ursprünglichen Aufstellung, Wiederherstellung der Spielbarkeit bei maximalem Erhalt der Originalsubstanz). Diese Restaurierung war eine der ersten großen französischen Restaurierungen, die konsequent dem Grundsatz folgte: erhalten statt verbessern. 1994 Instandsetzung und Reinigung durch Boisseau/Cattiaux und 2015 Überholung durch Cattiaux.
Erhalten wurden nahezu alle Pfeifen, Windladen (durchschobene Schleifladen) von GO und Pos, einfache Schleiflade des Réc, Manualklaviatur und Klaviatur für das angehängte Pedal, Spiel- und Registertraktur, drei Keilbälge und Windkanäle, mitteltönige Stimmung, Stimmton ca. einen Ganzton unter 440 Hz, angehängtes Pedal; Monument historique.
Titularorganist: Régis Allard
Vorgänger: u. a. François Simon de Saint-Clair

I. Positif CD–c3 (48 Tasten)
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Flûte . . . . . . . . . . . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Plein-Jeu V
Cromorne . . . . . . . . . . . . 8′

II. Grand-Orgue CD–c3 (48 Tasten)
Montre . . . . . . . . . . . . . . . 8′
Bourdon . . . . . . . . . . . . . . 8′
Prestant . . . . . . . . . . . . . . 4′
Nazard . . . . . . . . . . . . 2 2/3′
Doublette . . . . . . . . . . . . 2′
Quarte de Nazard . . . . . 2′
Tierce . . . . . . . . . . . . . 1 3/5′
Grand Cornet V (D)
Fourniture IV
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′
Voix humaine . . . . . . . . . 8′
Clairon . . . . . . . . . . . . . . . 4′

III. Récit c1–c3 (25 Tasten)
Grand Cornet V
Trompette . . . . . . . . . . . . 8′

Pédale CD–c1 (24 Tasten)
dauernde Pedalkoppel GO, keine eigenen Register

Acc. Pos/GO (Schiebekoppel), Tremblant doux, Tremblant fort